ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2003Biologicals: Neue Ansätze in der Dermatologie

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Biologicals: Neue Ansätze in der Dermatologie

Dtsch Arztebl 2003; 100(36): A-2321

Leinmüller, Renate

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LNSLNS Nicht nur bei atopischer Dermatitis und Kondylomen werden Immunmodulatoren mit spezifischer Wirkung in Zukunft eingesetzt werden, sondern auch bei Psoriasis und epithelialen Tumoren. Neben den neuen topischen Substanzen zur Umlenkung der Immunantwort bei Neurodermitis – Pimecrolimus und Tacrolimus – wurden beim Dermatologenkongress in Berlin Erfolg versprechende Ergebnisse zur Lokaltherapie epithelialer Karzinome mit Imiquimod vorgestellt.
Für die systemische Therapie der mittelschweren bis schweren Psoriasis werden „biologicals“ erprobt; das sind chimäre, humane oder humanisierte Antikörper sowie Fusionsproteine aus Rezeptor und Antikörper, die den Verlauf der T-Zell-vermittelten Inflammation in der Haut hemmen sollen. Nicht alle diese Wirkstoffe seien speziell für die Dermatologie entwickelt worden, erläuterte Prof. Harald Gollnick (Magdeburg). So sind Inhibitoren
des Tumor-Nekrose-Faktors-alpha auch bei Entzündungsprozessen des Morbus Crohn, bei Rheuma und der Psoriasis-Arthritis wirksam.
Inzwischen ist klar, dass die Psoriasis keineswegs nur auf eine Hauterkrankung mit Hyperplasie der Keratinozyten zurückzuführen ist – diese Hautläsionen sind vielmehr die Endstrecke einer chronischen Entzündungsreaktion, die über aktivierte T-Zellen vermittelt wird. Die 17 getesteten „biologischen“ Wirkstoffe sind zum überwiegenden Teil in frühen Phasen der klinischen Prüfung; vier Substanzen befänden sich in Phase III oder hätten diese bereits erfolgreich abgeschlossen, berichtete Prof. Jörg Prinz (München).
Das Fusionsprotein Alefacept inhibiert die T-Zell-Aktivierung, zwei Antikörper hemmen die T-Zell-Proliferation, mit zwei Interleukinen wird eine „Umlenkung“ der Immunreaktion von Typ 1 auf Typ 2 versucht, und mit Efalizumab wird die Extravasation der T-Lymphozyten und das Andocken an Rezeptoren auf Langerhans-Zellen unterbunden.
Die Wirkung dieser Biologicals, so hoffen die Dermatologen, setzt näher an der „Wurzel“ des immunologisch gesteuerten Grundgeschehens an, indem sie direkt in die Vorgänge eingreifen, die die chronische Entzündung auslösen und unterhalten. Sie müssten damit wirksamer sein als die Photo- und Photochemotherapie und nebenwirkungsärmer als Methotrexat und Cyclosporin, die ebenfalls die T-Zellen supprimieren.
Anstelle der wenig spezifischen Therapie mit Glucocorticosteroiden oder Cyclosporin wird jetzt eine hochspezifische Behandlung treten, die auf unterschiedliche intrazelluläre Ziele ausgerichtet ist; dabei besteht die Hoffnung, dass die unterschiedlichen Substanzen eine individuelle Behandlung ermöglichen. Die Langzeit-Sicherheit muss allerdings erst noch untersucht werden, bevor möglicherweise auch eine Kombination der verschiedenen Prinzipien Einzug in die Klinik halten kann.
Efalizumab ist ein humanisierter monoklonaler Antikörper mit Maus-Antigen (Anteil drei Prozent) und humanisiertem IgG1, der sowohl die
Adhäsion an Endothelzellen und damit die Wanderung der
T-Zellen in die Dermis hemmt, als auch mit Sekundärsignalen der T-Zell-Antwort interferiert. Wie Dr. Wayne Gulliver (St. John, Kanada) ausführte, sind mehr als 2 100 Patienten mit mittlerer bis schwerer Psoriasis in Phase-III-Studien mit Efalizumab (RaptivaTM) behandelt worden.
Die gepoolten Daten zeigen eine Besserung des Symptomenscores PASI (Psoriasis Activity and Severity Index) um 75 Prozent bei 28 Prozent der Verum- und vier Prozent der Placebo-Patienten, die vergleichbaren Zahlen zu einer 50-prozentigen Verbesserung lagen bei 56 beziehungsweise 15 Prozent im Behandlungszeitraum von zwölf Wochen, wobei mit einer Dosierung von 2 mg/kg s.c. pro Woche keine wesentlich besseren Ergebnisse dokumentiert sind als bei halber Dosierung. Klinisch relevante Verbesserungen waren bereits nach zwei Wochen nachweisbar.
Unerwünschte Ereignisse wie Kopfschmerzen, Fieber und unspezifische Infektionen sind zu Beginn der Therapie bei etwa fünf Prozent der Patienten zu erwarten und gehen dann auf Placebo-Niveau zurück. Wie eine offene Langzeitstudie über zwei Jahre nahe legt, ist die Verbesserung der Symptome weiter zu steigern. Im Rahmen einer Kurzzeitstudie von zwölf Wochen hätten die Patienten im „Dermatology Life Quality Index“ eine Verbesserung ihrer persönlichen Situation um 47 Prozent (Placebo: 14 Prozent) angegeben, ergänzte Prof. Alan Mentor (Dallas) – ein wichtiger Gesichtspunkt bei einer Krankheit, die eine lebenslange Therapie erfordert und meist in jungen Jahren manifest wird. Dr. Renate Leinmüller

Symposium der Firma Serono: „Vorstellung von Efalizumab (RaptivaTM)“ anlässlich der 42. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Dermatologie in Berlin
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