ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2003Elementarrisiken: Bald Pflichtpolice gegen Hochwasserschäden?

Versicherungen

Elementarrisiken: Bald Pflichtpolice gegen Hochwasserschäden?

Dtsch Arztebl 2003; 100(36): [114]

Combach, Rolf

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LNSLNS Die Versicherungen sind sich einig: Sie fordern die Einführung einer Pflichtversicherung für Elementarschäden – wobei allerdings der Staat einen großen Teil des Risikos tragen soll. Denn bestimmte Dinge seien für die Assekuranz allein nicht machbar, betonte Edmund Schwake, Präsidiumsmitglied des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), bei der Präsentation des Jahresberichts 2002 der Schaden- und Unfallversicherungen.
Allein im letzten Jahr musste die Versicherungswirtschaft Hochwasserschäden in Höhe von 1,8 Milliarden Euro schul-tern. Aufgrund des Jahrhunderthochwassers an Elbe und Oder wollten viele Unversicherte, vor allem in den Gebieten mit dem größten Risiko, eine Hochwasserversicherung abschließen. Doch dies war nicht so ohne weiteres möglich, weil die Versicherungen bestimmte Risiken als unkalkulierbar und somit unversicherbar einstufen.
Um mehr Leuten den Abschluss einer Hochwasserversicherung offerieren zu können, hat die Branche ZÜRS entwickelt: eine Zonierungs-Software. Diese teilt die Bundesrepublik in vier Gefährdungszonen von der zehnjährigen bis zur zweihundertjährigen Wahrscheinlichkeit eines Hochwassers. Jetzt ist es möglich, viele bisher als unkalkulierbar beziehungsweise unversicherbar beurteilte Risiken zu versichern – allerdings zum Teil mit üppigen Prämienzuschlägen und Selbstbehalten.
Auch bei zukünftigen Katastrophen mit Hochwasser wird es immer wieder Betroffene geben, die keinen Versicherungsschutz bekommen konnten. Sie werden auch weiterhin auf private Spenden oder auf die Hilfe des Staates angewiesen sein.
Seit Jahren schon fordert die Versicherungswirtschaft, bei der Ausweisung von Bauland oder bei der Erteilung von Baugenehmigungen restriktiver vorzugehen. Deshalb bewerten die Versicherungen es als positiv, dass die Bundesregierung ein „Gesetz zur Verbesserung des vorbeugenden Hochwasserschutzes“ auf den Weg gebracht hat. Langfristig sei das Hochwasserproblem nur in den Griff zu bekommen, wenn hochwassergefährdete Flächen ausgewiesen werden, die nicht bebaut werden dürfen. Damit sich das Dilemma des vergangenen Jahres nicht wiederhole, helfe eigentlich nur eine Pflichtversicherung, meint der GDV. Eine solche war von einigen Politikern bereits nach der Elbeflut gefordert worden.
Die Länder-Finanzminister-Konferenz hat sich mit großer Mehrheit für eine Pflichtversicherung ausgesprochen. Bis November sollen nun die Versicherungswirtschaft mit den Ministerpräsidenten der Länder „grundlegende Gedanken zu einem Pflichtversicherungsmodell“ entwickeln. Allerdings: Sollte es zu einer Lösung kommen, fordert die Versicherungswirtschaft ein Engagement des Staates als Rückversicherer. Angedacht ist eine Summe von zehn Milliarden Euro. Hier greift die Versicherungswirtschaft das Modell der Terrorversicherung auf. Auch Extremus als Terrorversicherung konnte nur entstehen, weil der Staat kräftig mithalf. Denn auch hier hätten die Kapazitäten der Versicherer nicht ausgereicht – wie bei Hochwasser-Absicherung. Rolf Combach
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