ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSSUPPLEMENT: Praxis Computer 3/2003Datenkommunikation: Neue Schnittstellengeneration

SUPPLEMENT: Praxis Computer

Datenkommunikation: Neue Schnittstellengeneration

Dtsch Arztebl 2003; 100(36): [3]

Becker, Peter

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Die Kassenärztliche Bundesvereinigung setzt für neu zu entwickelnde Datenkommunikationsschnittstellen auf internationale Standards und Modelle.
Mit der angestrebten Annäherung der ambulanten und stationären Versorgung verstärkt sich der Wunsch nach einer informationstechnischen Verzahnung im Gesundheitsbereich. Es wird über eine Konvergenz der beiden Sektoren nachgedacht. Bislang gibt es je nach Sektor unterschiedliche Kommunikationsstandards: Bei den niedergelassenen Ärzten sind das die xDT-Schnittstellen (ADT, AODT, KADT, LDT, BDT, GDT), wohingegen in den Krankenhäusern vor allem der Health-Level-Seven-Standard (HL7) verbreitet ist.
Um die informationstechnische Verzahnung voranzutreiben, hat sich die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Köln, der Arbeitsgemeinschaft Sciphox (www.sciphox. de) angeschlossen. Das Sciphox-Projekt arbeitet seit Anfang 2000 an der Spezifikation eines Kommunikationsstandards, der auf übergeordneten internationalen Standards basiert und dabei die Erfahrungen der beiden bislang parallel entwickelten Domänen xDT und HL7 berücksichtigt (siehe PC 6/2001). Die Arbeitsgemeinschaft veröffentlicht künftig neue Datenschnittstellen nur noch nach einem gemeinsam definierten Standard. Gleichzeitig wird die Entwicklung des bisherigen 16-Bit-basierten KBV-Prüfmoduls zur Abrechnungskontrolle eingefroren. Dieses soll in seinem jetzigen Funktionsumfang zwar weiter gepflegt und an die Softwarehäuser ausgeliefert werden. Die neuen Schnittstellen können jedoch ausschließlich über ein 32-Bit-basierendes Prüfmodul für Windows-Systeme geprüft werden.
Gerade jetzt ist eine sektorübergreifende Kommunikation durch gesetzliche und vertragliche Vereinbarungen gefordert. Dem trägt die KBV Rechnung, indem sie unter dem Dach der Arbeitsgemeinschaft Sciphox neue gemeinsame Standards definiert. Grundlage hierfür ist die als Standard der US-amerikanischen Normungsbehörde ANSI akkreditierte Clinical Document Architecture (CDA), die vollständig auf der Extensible Markup Language (XML) beruht.
Auch für die in der Arbeitsgemeinschaft Sciphox entwickelten Bausteine wird als Basistechnologie XML genutzt. XML selbst ist nur eine Syntax, mit der man Inhalt und Struktur der Daten definieren kann. Mit der Nutzung von XML ist allerdings noch keine Interoperabilität erreichbar. Eine Festlegung der Definition von Struktur und Inhalt mittels XML ist bestenfalls zu vergleichen mit der Einigung, die lateinischen Schriftzeichen zur schriftlichen Darstellung der in Mitteleuropa verwendeten Sprachen zu nutzen. Die Zeichen sind zwar lesbar, eine Verständigung bleibt aber weiterhin ausgeschlossen. Zusätzlich zur Einigung auf eine gemeinsame Syntax wird deshalb ein Modell benötigt, in dem die Erkenntnis über die Informationen steckt, denn: „Das Wissen zum Austausch von Informationen steckt in den Modellen und nicht in der Syntax“, erläutert Dr. Kai Uwe Heitmann, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Sciphox.
Die Arbeitsgemeinschaft arbeitet daran, das CDA-Modell um die im deutschen Gesundheitswesen benötigten beziehungsweise gewünschten Bausteine zu erweitern. Bereits im März 2003 konnte die erste Version einer XML-basierten Version der Koloskopie-Schnittstelle veröffentlicht werden. Seit April 2003 stehen die ersten Versionen für die DMP-Schnittstellen Diabetes mellitus und Brustkrebs zur Verfügung. Auch für die Datenübermittlung zur Früherkennungskoloskopie liegt inzwischen eine Schnittstellenbeschreibung vor. Für die Bewältigung von Massendaten, wie sie bei der Übermittlung der Koloskopiedaten auftreten können, wurde eine Transportlogistik entwickelt, die sich in einer eigens dafür ausgearbeiteten Beschreibung von notwendigen Metadaten widerspiegelt.
Sciphox-basierte Daten werden auf Dokumentenebene ausgetauscht. Die Beschreibung dieser Dokumente verfolgt einen generischen Ansatz. Dadurch verfügen diejenigen, die Sciphox-Dokumente umsetzen wollen, über Freiheiten, die im weiteren Verlauf zu Verständigungsproblemen führen können. Eine Arbeitsgruppe von Sciphox beschäftigt sich zurzeit mit der Entwicklung eines „Implementation Guide“, der bei der Überwindung dieser Verständigungsprobleme helfen soll. Dieser Guide stellt eine allgemeine Beschreibung dar, wie Sciphox-Dokumente erstellt werden können. Sind Dokumente weiter zu spezifizieren, wie dies aufgrund vertraglicher Vorgaben beispielsweise im vertragsärztlichen Bereich die Regel ist, muss die herausgebende Institution (etwa die KBV) einen weiteren dokumentbezogenen und spezialisierten „Implementation Guide“ zur Verfügung stellen. Die Veröffentlichung eines solchen Guides liegt in der Verantwortung der herausgebenden Institution.
Die KBV betrachtet es als große Chance, erstmals gemeinsam unter dem Dach der Sciphox-Arbeitsgemeinschaft mit vielen anderen im Gesundheitswesen tätigen Institutionen Standards zu entwickeln. So kann die Datenkommunikation mit Krankenhäusern, Krankenkassen, den Vertretern der Apotheker und Firmen deutlich verbessert werden.
Peter Becker, IT-Bereich, KBV Köln

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