ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2003Morbus Basedow: Auto-Antikörper wurde isoliert

AKTUELL: Akut

Morbus Basedow: Auto-Antikörper wurde isoliert

Dtsch Arztebl 2003; 100(37): A-2333 / B-1949 / C-1841

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Britischen Forschern ist es gelungen, den Auto-Antikörper zu isolieren, der für die Thyreoiditis beim Morbus Basedow verantwortlich ist. Die in Lancet (2003; 362: 126–28) publizierte Entdeckung ist das Ende einer 47 Jahre langen Suche: Im Jahr 1956 entdeckten D. Adams und H. Purves eine ungewöhnliche TSH-ähnliche Aktivität im Serum von Basedow-Patienten, die auf die Immunglobuline zurückgeführt wurde. Im selben Jahr entdeckte der Immunologe I. Roitt, dass Antikörper gegen Thyreoglobulin die Ursache des Morbus Hashimoto sind. Es war die erste Beschreibung einer Auto-immunerkrankung überhaupt. Damit wurde die Schilddrüse zum Modell-Organ für die klinische Immunologie.
Es dauerte 33 Jahre, bis der TSH-Rezeptor im Jahr 1989 geklont werden konnte. Doch die Herstellung größerer Mengen des TSH-Rezeptors erwies sich als schwierig. Diese werden aber benötigt, um in Tiermodellen Antikörper gegen TSH zu generieren. Dies gelang schließlich im vergangenen Jahr gleich drei Arbeitsgruppen. Zu ihnen gehörten Jane Sanders und Mitarbeiter von FIRS Laboratories in Cardiff. Dieser Gruppe ist es auch gelungen, den menschlichen Antikörper zu isolieren. Dafür mussten 16 500 Zelllinien untersucht werden, um die Zelle zu finden, die den gewünschten TSH-Antikörper produziert. Diese Zelllinie hat in den letzten neun Monaten 10 mg IgG pro Liter Kulturmedium produziert. Derzeit können die englischen Wissenschaftler zwei von fünf geforderten
Beweisen dafür liefern, dass sie tatsächlich den richtigen Antikörper gefunden haben. Einer ist der Nachweis, dass es sich um einen monoklonalen IgG1-Antikörper handelt. Das zweite Kriterium ist der Nachweis, dass der Antikörper im Bereich von wenigen ng/ml aktiv ist. Sie müssen jetzt noch zeigen, dass der Antikörper in einer Lösung nach Bindung eines flüssigen TSH-Rezeptors nicht mehr aktiv ist und dass die gentechnische Produktion ebenfalls einen wirksamen Autoantikörper ergibt. Colin Dayan von der Universität Bristol hat in einem Editorial wenig Zweifel daran, dass die Beweise noch nachgeliefert werden (Lancet 2003; 362: 92–93).

Die Entdeckung dürfte zur Entwicklung eines neuen Serumtests führen, der einen Morbus Basedow mit 100-prozentiger Spezifität nachweist. Die bisherigen Antikörper-Assays sind weniger spezifisch. Die Arzneimittelforschung kann für zukünftige Behandlungsoptionen nach Wirkstoffen suchen, die den jetzt gefundenen Antikörper neutralisieren. Rüdiger Meyer
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