ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2003Versicherungen: Manchmal trügerische Hoffnung

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Versicherungen: Manchmal trügerische Hoffnung

Dtsch Arztebl 2003; 100(37): A-2360 / B-1974 / C-1862

Olschewski-Hattenhauer, A.

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LNSLNS Der Beitrag vermittelt den Eindruck einer schönen neuen Welt der privaten Vorsorge gegen Berufsunfähigkeit über eine entsprechende Versicherung. Die Realität sieht dagegen ganz anders aus. Mir ist in 25 Jahren Berufstätigkeit als Rehabilitationsmediziner noch kein einziger Fall untergekommen, in dem die Versicherung nach Prüfung des Falles und Sichtung der Befunde anstandslos gezahlt hätte. Oftmals wurde der Versicherte zuerst eingeschüchtert. Es wurde behauptet, die Erkrankung, die zum Versicherungsfall geführt hätte, hätte schon bei Abschluss der Versicherung vorgelegen und der Versicherte mache sich strafbar, wenn er weiter auf Vertragserfüllung bestehe. Man fragt sich, wieso dies die Versicherung nicht beim Vertragsabschluss, sondern erst bei Eintreten des Schadensfalles „bemerkt“ haben will. Danach gab es in der Regel langwierige Anfragen bei der Krankenkasse und den behandelnden Ärzten. Sobald hier einer der Ärzte auch nur ein Kreuz in einem der mehrseitigen ermüdenden Fragebögen falsch setzt, ist der Versicherungsschutz dahin. Die hauseigenen Juristen der Versicherung sorgen schon dafür. Von Patienten, die dann gegen die Versicherung klagten, hörte ich, dass mit teilweise aberwitzigen Tricks oder mit faulen Kompromissangeboten gearbeitet wurde. Wer keine Rechtsschutzversicherung (möglichst bei einer anderen Gesellschaft) hat, dürfte gerade in einer Situation ohne Berufseinkommen Probleme haben, hier durchzuhalten. Ein weiterer fieser Trick der Versicherungsgesellschaften besteht in der Anwendung der sog. Verweisungsklausel. Hier wird beispielsweise ein Arzt darauf verwiesen, dass er ja noch als Pförtner oder in einer Telefonzentrale arbeiten könnte. Dass es in diesem Bereich vielleicht keine Jobs mehr gibt oder dass man die betroffene Person aus personalpolitischen Überlegungen nicht einstellen würde, zählt hier nicht. Die erhofften Zahlungen bleiben aus oder werden drastisch reduziert.
Bevor diesem Wildwuchs nicht durch entsprechende Aufsichtsorgane oder strengere Gesetze Einhalt geboten wird, bleibt die Absicherung durch eine Berufsunfähigkeitsversicherung eine manchmal trügerische Hoffnung.
Dr. med. A. Olschewski-Hattenhauer, Schillerstraße 12, 69115 Heidelberg
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