ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2003Arztberuf Wie kann dieser Beruf attraktiver werden?

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Arztberuf Wie kann dieser Beruf attraktiver werden?

Dtsch Arztebl 2003; 100(37): A-2361 / B-1975 / C-1862

Joos, Andreas K.

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Foto: Thieme Verlagsgruppe, Stuttgart
Foto: Thieme Verlagsgruppe, Stuttgart
Wenn schon Politiker, in diesem Fall Frau Birgit Fischer, Ministerium für Gesundheit, Soziales, Frauen und Familie des Landes NRW, auf dem
6. Via medici Kongress meinen, dass der Arztberuf Zukunft habe und es für Schwarzmalerei keinen Anlass gäbe, ist sicherlich allein deshalb allerhöchste Vorsicht geboten und per se einer solchen Aussage zunächst mit Skepsis entgegenzutreten. Gleichzeitig warnt die Ministerin vor „Panikmache“ in Anbetracht eines möglicherweise eintretenden Ärztemangels, was in dem Zusammenhang eher nach Selbstberuhigung klingt. Und in demselben Heft folgt übrigens ein Artikel, in dem festgestellt wird, dass junge deutsche Wissenschaftler vermehrt ins Ausland abwandern. Ob ein unmittelbarer Zusammenhang zu den Worten der Ministerin besteht, ist allerdings nicht bekannt. Man muss sich fragen, ob Frau Ministerin solche Tatsachen bekannt sind neben vielen anderen Tatsachen, die alle darauf hindeuten, dass sowohl ein großer Teil der praktizierenden Ärzte als auch ca. 50 % der Medizinstudenten in diesem Land sich fragen (oder bereits für sich darüber entschieden haben), ob dieser Beruf noch eine Zukunft (in diesem Lande) hat.
Die Frage ist doch nicht, ob der Beruf Zukunft hat, sondern ob die politischen Lenkungsversuche in Zukunft dafür sorgen können, dass dieser Beruf wieder attraktiv wird, sodass auch eine genügende Anzahl Menschen diesen Beruf ergreift.
Wenn schon Studenten im PJ dazu missbraucht werden, administrative oder pflegerische Aufgaben zu erledigen, und deren Ausbildung sehr zu wünschen übrig lässt – wenn wir aufgrund finanzieller Veränderungen (z. B. DRG-System) nicht wissen, ob eine Klinik es sich noch leisten können wird, Ärzte auszubilden – wenn wir eher die Differenzialdiagnose der DRGs kennen müssen als die von Krankheiten – wenn wir weiterhin mehr als ein Drittel unserer Arbeitszeit auf die Erledigung administrativer Aufgaben verwenden – wenn wir heute eher Betriebswirtschaftler imitieren sollen anstatt erfahrene Kliniker – wenn der Glaube besteht, man bekäme eine höchstqualifizierte, lebensnotwendige und rettende Leistung zu immer billigeren Tarifen, dann, geehrte Politiker, Kassenvertreter und Verwaltungsvertreter in diesem Land, hat dieser Beruf immer noch eine Zukunft. Fragt sich bloß, ob ihn unter solchen Bedingungen noch jemand ausüben will.
Dr. med. Andreas K. Joos, M 7, 3–8, 68161 Mannheim
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