ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2003Therapieevaluation bei psychischen Störungen von Kindern und Jugendlichen: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Therapieevaluation bei psychischen Störungen von Kindern und Jugendlichen: Schlusswort

Dtsch Arztebl 2003; 100(37): A-2389 / B-1994 / C-1881

Remschmidt

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LNSLNS Herr Köster bringt ein wichtiges Anliegen zur Sprache, das alle in der Kinder- und Jugendpsychiatrie Tätigen beschäftigt: die Verkürzung der Behandlungsdauer, vor allem im stationären Bereich.
Es war gerade eines unserer wichtigsten Anliegen aufzuzeigen, dass junge Menschen, die unter psychiatrischen Erkrankungen leiden, eine Mindestbehandlungsdauer benötigen und dass der Erfolg der Behandlungen, die ja in aller Regel multimodal und mehrdimensional sind, sowohl von der Behandlungsdauer als auch von der Behandlungsintensität abhängen. Mit einer durchschnittlichen Behandlungsdauer von etwa drei Wochen kann man bei vielen kinder- und jugendpsychiatrischen Erkrankungen keine durchschlagenden Erfolge erzielen.
Erwähnt seien nur Patientinnen mit Anorexia nervosa, Patienten mit Schizophrenien oder Patienten mit schweren depressiven Erkrankungen und Suizidalität. Gerade Kinder und Jugendliche, die sich in mannigfalti-
gen Entwicklungsprozessen befinden, brauchen in der psychotherapeutischen Behandlung eine feste und vertrauensvolle Beziehungsstruktur, die sich nicht über Nacht herstellen lässt. Ebenso brauchen diese Patienten auch Zeit, um ihre altersgemäßen Entwicklungsaufgaben zu bewältigen. Die Reduktion der Medizin auf ökonomische Gesichtspunkte und die Reduktion des Patienten auf den Kundenstatus ist eine Fehlentwicklung der Medizin, der wir entgegentreten müssen.
Auf der anderen Seite ist es aber auch unsere Pflicht, die Behandlungen zu evaluieren und auf empirischem Wege zu zeigen, welche Behandlung in welcher Intensität und welcher Zeitdauer die besten Ergebnisse bringt. Dies war ein wichtiges Anliegen unseres hier publizierten Beitrags, und wir setzen diese Untersuchungen systematisch fort.

Prof. Dr. med. Dr. phil. Remschmidt
Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie
Hans-Sachs-Straße 6
35039 Marburg

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