ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2003Bilder zwischen Afrika und Europa: Erinnerungen in Rot

VARIA: Feuilleton

Bilder zwischen Afrika und Europa: Erinnerungen in Rot

Dtsch Arztebl 2003; 100(37): A-2390 / B-1995 / C-1882

Merten, Martina

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„Die Maske“, Öl, 130 × 74 cm, 2000
„Die Maske“, Öl, 130 × 74 cm, 2000
Das neurologische Therapiecentrum Köln stellt Exponate des afrikanischen Künstlers Benedict A. Johnson aus.

Rot, Blau, Gelb, Orange – Kunstwerke in kraftvollen Farben schmücken die Wände des neurologischen Therapiecentrums Köln (NTC), verwandeln die tristen Gänge der Tagesklinik in ein Meer voller Erinnerungen. Erinnerungen des afrikanischen Künstlers Benedict A. Johnson an seine Heimat – an Afrika. Denn in vielen der farbig-kräftigen Kompositionen spiegeln sich – wenn auch nicht immer auf den ersten Blick erkennbar – Naturelemente wider, die dem Betrachter die Möglichkeit bieten, sich Johnsons Heimat motivisch vorzustellen: Sie besteht aus einem Meer aus azurblauem Wasser, einem Regenwald in sattem Grün, einer orangefarben schimmernden Sonne und aus blutroter Erde.
Benedict A. Johnson, 1967 in Lagos/Nigeria geboren, studierte von 1986 bis 1987 an der Yaba-Kunstschule in Lagos. Politische Unruhen in seinem Land veranlassten ihn bereits wenige Jahre nach seinem Studium dazu, nach Deutschland auszuwandern. Seit 1991 lebt Johnson in Mönchengladbach, 1997 wurden seine Werke erstmals öffentlich ausgestellt. Im Rahmen der Reihe ART NTC können rund 50 Exponate
des nigerianischen Künstlers noch bis Oktober in Köln betrachtet werden.
Kunst im Krankenhaus
Die Tagesklinik für Patienten mit neurologischen Erkrankungen setzt seit ihrem Bestehen auf die Verbindung von „Kunst im Krankenhaus“. Alle drei bis sechs Monate werden Werke verschiedener Künstler in den Gängen der Klinik ausgestellt; die Themen der Ausstellung variieren. Die Reihe „ART NTC“ verfolgt mehrere Ziele: zum einen soll den Patienten Vielfalt und Abwechslung geboten, sie zur Diskussion über die Kunstwerke angeregt werden, zum anderen soll noch unbekannten Künstlern aus der Region die Chance gegeben werden, ihre Werke zu präsentieren. Einzige Einschränkung: das, was auf den Kunstwerken zu sehen ist, darf die Patienten nicht belasten. „Die Bilder dürfen keine negative Stimmung vermitteln“, so der ärztliche Leiter des Neurologischen Therapiezentrums Köln, Dr. med. Werner Nickels.
Afrikanische Skulpturen erinnern an Johnsons Heimat. Fotos:Werner Nickels
Afrikanische Skulpturen erinnern an Johnsons Heimat. Fotos:Werner Nickels
Ölbilder in kraftvollen Farben
Die Ausstellung „Bilder zwischen Afrika und Europa“ regt zwar zum Nachdenken an, der Betrachter assoziiert mit den Werken jedoch nichts Negatives. Einige der fantasievollen, meist großformatigen Ölgemälde verleiten sogar zum Schmunzeln: So verbindet Johnsons Bild „Die Maske“ europäische und afrikanische Elemente miteinander, indem der Kopf einer Figur zwar einer afrikanischen Maske gleicht und die Figur einen Bastrock trägt, die Bluse jedoch europäischen Ursprungs ist. Außer den Masken sind auf den Exponaten noch verschiedene andere Skulpturformen zu sehen, die ebenso Rückschlüsse auf Johnsons Heimat zulassen.
Im Gedächtnis bleibt jedoch vor allem die tiefe Wirkung von Johnsons Lieblingsfarben – Rot, Blau, Gelb, Orange.
Informationen: Neurologisches Therapiezentrum Köln, Turiner Straße 2, 50668 Köln, Telefon: 02 21/91 27 18-0, Internet: www.ntc-koeln.de. Öffnungszeiten: täglich von 9 bis 16 Uhr (noch bis zum 9. Oktober). Anschließend Kunstausstellung „Vom Patienten für Patienten“, Vernissage am 10. Oktober. Martina Merten
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