ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2003Geschäftskonto: Sparpotenziale ausschöpfen

VARIA: Wirtschaft

Geschäftskonto: Sparpotenziale ausschöpfen

Dtsch Arztebl 2003; 100(37): A-2391

Vetter, Michael

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LNSLNS In der Unternehmenspraxis spielt das Geschäftskonto oft nur eine untergeordnete Rolle. Zu Unrecht. Mögliche Vorteile müssen selbst ermittelt werden.

Hans-Peter E., Allgemeinarzt im Ruhrgebiet, nimmt bei seiner Hausbank einen Kontokorrentkredit über 60 000 Euro in Anspruch, für den er einen Zinssatz von 11 Prozent per annum zahlt. Seit etwa einem Jahr wartet der Arzt auf die Zuteilung seines vor acht Jahren abgeschlossenen Bausparvertrages. Da ihm die Bausparkasse bereits im vergangenen Jahr die „unmittelbar bevorstehende“ Zuteilung und die damit verbundene Auszahlung des Bauspardarlehens in Aussicht stellte, finanzierte Hans-Peter E. diesen Betrag von 30 000 Euro durch Überziehung seines Kontokorrentkredites. Die höheren Zinsen von 16 Prozent, davon ging der Arzt aus, müsste er durch die erwartete Zuteilung nur ein paar Wochen bezahlen.
Die Banken weisen selten auf Einsparpotenziale hin
Aus ein paar Wochen sind mittlerweile mehr als zwölf Monate geworden. Während dieses Zeitraumes hat der Arzt rund 1 500 Euro an Überziehungszinsen (5 Prozent) an seine Bank gezahlt. Rechnet man die üblichen Kreditzinsen in Höhe von 11 Prozent hinzu, kommt Hans-Peter E. auf eine Gesamtbelastung von knapp 5 000 Euro. Zum Vergleich: Bei einer seinerzeit erfolgten Zuteilung des Bauspardarlehns hätte er lediglich 5 Prozent Zinsen jährlich zahlen müssen. Seine Mehrbelastung beläuft sich also auf rund 3 300 Euro während dieses relativ kurzen Zeitraumes von einem Jahr.
Diese Zinskosten hätte sich der Allgemeinarzt ersparen können, wenn er mit seiner Hausbank, die ihm vor acht Jahren übrigens auch den Bausparvertrag verkauft hat, bereits im vergangenen Jahr eine klare schriftliche Vereinbarung über eine Zwischenfinanzierung getroffen hätte. Diese wäre mit einem Festzinssatz von etwa 5 Prozent im Jahr bis zur definitiven Zuteilung des Bauspardarlehens gelaufen. Da diese Zwischenfinanzierung auf einem getrennt einzurichtenden Bausparkonto erfolgt wäre, hätte es auch keinerlei Probleme mit eventuellen Überziehungszinsen gegeben. Der Arzt ist verärgert darüber, dass ihn seine Bank nicht selbst darauf angesprochen hat. Dies überrascht allerdings nicht, weil dieser eigentlich selbstverständliche Kundendienst vor dem Hintergrund zurückgehender Bankerträge bei den Kreditinstituten vielfach nicht mehr üblich ist. Der Kunde, so wird häufig argumentiert, muss sich selbst um seine Finanzen kümmern. Außerdem gebe es meist ja noch einen Steuerberater. Von berechtigter Selbstkritik, beispielsweise auch bezüglich des völlig verkorksten Zuteilungszeitpunktes des Bausparvertrages, ist bei diesen „Pseudoargumenten“ meist wenig zu spüren.
In der Unternehmenspraxis spielt das Geschäftskonto oft nur eine „Statistenrolle“. Dabei bieten die Bankinstitute eine Reihe von Vorteilen für den Kunden, die dieser allerdings teilweise selbst ermitteln muss. Kompetente Beratung erfolgt, wie bei anderen Bankprodukten auch, häufig erst bei konkreter Nachfrage des Kontoinhabers. Auf die folgenden Punkte sollte dabei insbesondere geachtet werden:
- Der Arzt sollte mit seiner Bank eine Guthabenverzinsung vereinbaren, die ihm bereits ab einem Euro Kontoguthaben eine Mindestverzinsung garantiert. Dies ist keineswegs selbstverständlich, da Banken häufig erst ab einem bestimmten Mindestguthaben Guthabenzinsen anbieten. Lehnt die Bank eine Verzinsung grundsätzlich ab, sollte man sich mit Geldmarktfonds vertraut machen. Diese Form der Investmentfonds bietet derzeit Zinssätze von etwa 3 Prozent per annum und ist bereits ab etwa 50 Euro möglich. Käufe und Verkäufe von Geldmarktfonds sind in der Regel börsentäglich möglich.
- Zudem muss auf die Wertstellungspraxis der Bank geachtet werden. Überweisungsgutschriften sollten am Tag der Buchung gutgeschrieben werden, Bareinzahlungen am Tag der Einzahlung, Scheckeinreichungen auf Banken am Platz am Tag der Einreichung und auf Banken an anderen Plätzen zwei Tage nach Einreichung.
- Bei den Kontoabrechnungen sollte der Kunde auf „Bruttoabrechnungen“ bestehen, in denen jede einzelne Kostenposition wie Kontoführungs- und Buchungsgebühren, Porto, Kredit- und Überziehungszinsen aufgeführt ist. Im Gegensatz zu „Nettoabrechnungen“ kann man dann sehen, wie sich die Gesamtkosten zusammensetzen. Diese Transparenz erleichtert auch den Kostenvergleich mit anderen Bankinstituten. Darüber hinaus ist es ratsam, sich etwa einmal im Jahr die unterschiedlichen Kontoführungsmodelle der Bank einschließlich dv-unterstützter Angebote wie den beleglosen Datenträger-Austausch vorstellen zu lassen. Hier finden sich zum Teil erhebliche Sparpotenziale für die Kontoführung.
- „Geduldete“ Überziehungen, die über den Kontokorrentkredit („genehmigte“ Überziehung) hinausgehen, sollten vermieden werden. Dadurch spart man Überziehungszinsen von bis zu zusätzlichen sechs Prozent pro Jahr.
- Vermeiden sollte man auch den „negativen Zinseszinseffekt“: bei der Inanspruchnahme des Kontokorrentkredits erhöhen die Kosten der Kontoführung (vor allem die Kreditzinsen) den Kreditsaldo, sodass für diese Zinsen Zinseszinsen gezahlt werden müssen. Das lässt sich vermeiden, wenn bei jeder Kontoabrechnung konsequent für einen unmittelbaren Ausgleich dieser Kontokosten gesorgt wird. Michael Vetter
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