ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2003Börsebius zu Aktienanleihen: Schamlose Werbung

VARIA: Schlusspunkt

Börsebius zu Aktienanleihen: Schamlose Werbung

Dtsch Arztebl 2003; 100(37): [68]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Dass in der Werbung Rosarot eine gängige Farbe ist, gehört nahezu zur Allgemeinbildung. Dick auftragen gehört beim Advertising eh zum normalen Auftritt, wie einem tagtäglich auf Schritt und Tritt klar gemacht wird. Wenn es aber in den Bereich von Hirngespinsten und Lügenmärchen geht, hört der Spaß eigentlich auf.
Umso mehr muss den Betrachter wundern, dass gerade in Bereichen, die für sich selbst ein Höchstmaß an Seriosität in Anspruch nehmen, die Hemmschwelle zwischen Wahrheit, knüppeldick auftragen und über den Tisch ziehen immer niedriger wird.
Für meinen Geschmack schießt die „ING BHF-BANK“, nach eigenen Angaben „Partner für Professionals“, hier eindeutig den Vogel ab. Das durchaus als renommiert geltende Institut bewirbt ihre Aktien-Anleihen mit einer, wie ich finde, ziemlich ausgefuchsten Frivolität.
Unter anderem bietet die ING BHF-BANK den Anlegern „Doppel-Aktien-Anleihen“ an, die sich geradezu sagenhaft verzinsen. Drei unterschiedliche Papiere habe ich mal rausgesucht, die alle am 6. Februar 2004 auslaufen.
Die Anleihe in Allianz oder Deutsche Telekom (WKN 897097) rentiert sich mit 12 Prozent, die in Deutsche Telekom oder Infineon (897100) bringt 18 Prozent und die in DaimlerChrysler oder SAP (WKN 897106) rentiert sich mit 14 Prozent. Die Zinszahlung wird garantiert und unabhängig von der Kursentwicklung der betreffenden Anleihe zum Laufzeitende ausbezahlt. Toll, nicht?
Gerade in einer Zeit, in der viele Anleger ihre von Kursverlusten nur so klaffenden Wunden lecken und nach sicheren Geldanlagen gieren, wirken Werbebotschaften, wie bei der ING BHF-BANK zu diesen Doppel-Aktien-Anleihen gesehen, mit dem Attribut „konservativ“ gleichwohl „pfiffig“ wie Balsam und lassen das Studium das Kleingedruckten als entbehrlich erscheinen.
So ein Vertrauensvorschuss wäre freilich völlig ungerechtfertigt und kann sich bitter rächen. Wenn der Kurs der dazugehörigen Aktien unter einen bestimmten Preis fällt, ist die Bank nämlich berechtigt, die Anleihe nicht in einer Summe zurückzuzahlen, sondern Stücke in der zugrunde liegenden Aktie zu liefern. Dieses Wahlrecht hat nicht der Kunde, sondern aus-
schließlich der Emittent, in diesem Fall also die ING BHF-BANK. Erhebliche Verluste drohen in solchen Fällen unter Umständen.
Dass wir uns bloß richtig verstehen: Es kann auch vorkommen, dass die Sache für den Bankkunden gut ausgeht, er also tolle Renditen plus Darlehensrückzahlung einstreichen kann, ohne die
Aktien geliefert zu bekommen. Dennoch bleibt diese Form der Geldanlage hochriskant. Und dies dem Kunden zu sagen und nicht Ho-
nig ums Maul zu schmieren bedeutete ein Mindestmaß
an Anstand. So ist es bloß schamlos.
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