ArchivDeutsches Ärzteblatt PP9/2003Psychotherapie-Forschung: Förderung dringend nötig

EDITORIAL

Psychotherapie-Forschung: Förderung dringend nötig

PP 2, Ausgabe September 2003, Seite 385

Bühring, Petra

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LNSLNS Für die Psychotherapie-Forschung fehlt es in Deutschland an Geld. Während die Pharmaindustrie jährlich Milliardensummen für die Erprobung neuer Psychopharmaka einsetzt, muss die Psychotherapie-Forschung mit einem Bruchteil auskommen. Denn sie wird – bis auf wenige Ausnahmen – nur von staatlicher Seite gefördert.
Dieses Manko ist bekannt und bedarf der Abhilfe. Der zurzeit noch bei der Bundes­ärzte­kammer angesiedelte Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie (WBP) – im Oktober wechselt der Beirat wie vorgesehen zur Bundes­psycho­therapeuten­kammer – hat deshalb in Gesprächen mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) angeregt, Konzepte für eine Förderung der Psychotherapie-Forschung zu entwickeln. Auch eine Fördersumme war schon einmal im Gespräch. Das BMBF schlug daraufhin ein Symposium mit Experten vor, um „die Aktualität und Stringenz der vorgeschlagenen Forschungsfelder zu validieren“. Dieses Symposium fand Ende Juni in Mainz statt, und vertreten waren neben internationalen Wissenschaftlern fast alle relevanten deutschen Lehrstuhlinhaber.
Bedarf zu forschen gibt es genug, darin waren sich die Wissenschaftler einig. Es fehlt generell an Outcome-Studien, die die Effektivität und Effizienz von Psychotherapieverfahren beleuchten ebenso wie das Kosten-Nutzen-Verhältnis. Vor allem in der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie hinkt die Forschung in Deutschland hinterher. Aber auch die Wirksamkeit von Psychotherapie bei älteren Menschen ist ein vernachlässigtes Thema. Es fehlt weiter an Studien,
die die Bedeutung der therapeutischen Beziehung untermauern. Es mangelt an anwendungsbezogener Forschung, die effektive Ansätze für die Umsetzung der Studienergebnisse in die Praxis entwickelt.
Ein weiteres zu bearbeitendes Gebiet – jedoch nicht nur für die Psychotherapie – ist die Versorgungsforschung. Beantwortet werden sollen dabei vor allem Fragen zur Inanspruchnahme psychotherapeutischer Hilfen, zu den strukturellen Voraussetzungen des Versorgungssystems ambulant und stationär sowie deren Schnittstellen. Ebenso spielt die Qualitätssicherung des Angebots eine Rolle.
Wichtig wäre auch die Erforschung neuer Methoden, die dazu beitragen, das Verständnis der Öffentlichkeit für Psychotherapie zu fördern. Prävention und psychologische Interventionen bei chronischen Erkrankungen bedürfen ebenfalls weiterer Studien. Geschlechtsspezifische Ansätze sind sinnvoll und müssen noch besser untersucht werden, insbesondere fehlen Wirksamkeitsnachweise für männliche Patienten.
Ob diese Themen oder ein Teil davon eine Chance haben, vom BMBF gefördert zu werden, ist derzeit noch unklar. Das jedenfalls machte Dr. Richard Mitreiter vom Projektträger Gesundheitsforschung des BMBF, deutlich. Die Mainzer Diskussion wird im Oktober vor dem wissenschaftlichen Ausschuss des Gesundheitsforschungsrates des BMBF vorgetragen. Die Professoren haben ihr Bestes getan, den Forschungsbedarf zu begründen. Jetzt bedarf es nur noch der Einsicht. Petra Bühring
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