ArchivDeutsches Ärzteblatt PP9/2003Humor in der Psychotherapie. Eine explorative Studie zum Auftreten und zur Wirkung einer intentionalen Humorverwendung in der Verhaltenstherapie

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Humor in der Psychotherapie. Eine explorative Studie zum Auftreten und zur Wirkung einer intentionalen Humorverwendung in der Verhaltenstherapie

PP 2, Ausgabe September 2003, Seite 386

Dumbs, Franz

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Franz Dumbs: Humor in der Psychotherapie. Eine explorative Studie zum Auftreten und zur Wirkung einer intentionalen Humorverwendung in der Verhaltenstherapie. Pabst Science Publishers, Lengerich u. a., 2002, 484 Seiten, broschiert, 30 €
Alle, die meinen, dies sei eine Fundgrube für humorvolle Interaktionen in der Psychotherapie, seien gewarnt: Es handelt sich um eine wissenschaftliche – und somit ziemlich trockene – Untersuchung zur Bedeutung und Wirkung des Humors in Therapien mit Frauen, die die Diagnose einer depressiven Störung aufweisen. Nach einer Begriffsbestimmung und Beschreibung der Anwendungsfelder von Humor stellt der Autor die Bedeutung für unterschiedliche Therapieschulen vor. Im Hauptteil wird eine empirische Untersuchung an vier Therapieausschnitten präsentiert, die aus einer Kombination von Messinstrumenten (VEV) sowie aufwendiger Interaktionsanalysen besteht. Dabei wird die Bedeutung von intendierten humorvollen Sequenzen für den Therapieerfolg untersucht.
Der Leser weiß am Ende der Untersuchung nicht wirklich mehr. Intendierter Humor und Kontrollsequenzen unterscheiden sich im Effekt bei den Klientinnen kaum – die Katamnese bringt zusätzliche Verwirrung: Zwar scheinen Langzeiteffekte in der humorvollen Therapiebedingung besser zu sein, es konnte jedoch nur eine Klientin dazu nachbefragt werden, und diese schätzte die therapeutische Beziehung im Nachhinein als problematischer ein.
Dankenswerterweise geht der Autor immer wieder der Frage nach, ob der Einsatz vor allem provokativer Therapieelemente nicht die Existenz einer tragfähigen therapeutischen Beziehung voraussetzt. Dennoch findet die Darstellung paradoxer und provokativer Therapieinterventionen trotz fehlender empirischer Evidenz eine überproportionale Darstellung. Die damit in Zusammenhang stehende Frage nach der „Oben-Unten“-Verteilung in der therapeutischen Beziehung und ihre Auswirkung auf den Therapieprozess wird leider nur gestreift. Vielleicht ist Humor als Therapiemethode, intentional eingesetzt, fragwürdig – Humor als Ausdruck einer Beziehungsqualität hingegen, schlecht erforschbar und dennoch wirksam. Michael Broda
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