ArchivDeutsches Ärzteblatt PP9/2003Kinderhospiz: Ein Ort zum Leben und Sterben

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Kinderhospiz: Ein Ort zum Leben und Sterben

PP 2, Ausgabe September 2003, Seite 402

Klinkhammer, Gisela

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LNSLNS In einer familiären Umgebung werden schwer kranke Kinder rund um die Uhr von Fachkräften betreut und gefördert. Eltern werden von der Pflege entlastet.

Wenn Eltern erfahren, dass ihr Kind unheilbar krank ist, bedeutet dies für die betroffenen Familien eine Katastrophe. Der Weg von der Diagnose bis zum Tod des Kindes zieht sich oft über Monate, manchmal Jahre hin und führt bis an die Grenzen der Belastbarkeit. Hilfsangebote finden Kinder und Eltern zum Beispiel im ersten deutschen Kinderhospiz in Olpe, das vor fünf Jahren eröffnet wurde.
In Deutschland begann Kinderhospizarbeit im Jahr 1990 mit der Gründung des Deutschen Kinderhospizvereins, der den Austausch mit betroffenen Familien ermöglichen sollte. „Neben dieser Aufgabe war es unser Hauptziel, ein Kinderhospiz in Deutschland nach englischem Vorbild zu schaffen. Das ist uns 1998 gelungen. Wir fanden in der Gemeinnützigen Gesellschaft der Franziskanerinnen in Olpe mbH einen Träger, der bereit war, dieses Projekt mit uns umzusetzen und finanzielle Risiken in Kauf zu nehmen, um den Kindern und Familien zu helfen“, berichtete Margret Hartkopf, Vorstandsmitglied im Deutschen Kinderhospizverein.
Dabei sei die Konzeption des Kinderhospizes maßgeblich von den betroffenen Familien ausgearbeitet worden. Sie werde bis heute fortentwickelt. Zusätzlich kämen erfahrene Eltern, die sich selbst schon lange mit der Situation beschäftigten, wöchentlich ins Haus und böten Gespräche und Beratung an. Rüdiger Barth, Leiter des Olpener Kinderhospizes Balthasar, erläuterte die Unterschiede zu einem Erwachsenenhospiz: „Ins Kinderhospiz kommt die ganze Familie. Die Familien sind nicht ausschließlich in der letzten Lebensphase der Kinder in Balthasar, sondern sie kommen in der Regel für einige Tage oder Wochen, um hier aufzutanken und gestärkt wieder nach Hause zu fahren.“
Rund um die Uhr würden die Kinder unter anderem von Kinderkrankenpflegern und Pädagogen betreut. Die Eltern würden von der Pflege entlastet, in ihren Sorgen und Ängsten begleitet, sie könnten sich mit anderen Eltern austauschen. Einige Mitarbeiter seien für die Geschwisterkinder zuständig, damit auch diese „neben Sorgen und Ängsten Spaß und Freude erleben“. Acht kranke Kinder können jeweils gemeinsam mit ihren Familien aufgenommen werden. Bisher seien, so Barth, rund 250 Familien aus ganz Deutschland zu Gast in Balthasar gewesen. „Überwiegend kommen Kinder mit Stoffwechsel- oder Muskelerkrankungen, aber auch mit Schädigungen des Gehirns, des Nervensystems und mit Tumorerkrankungen zu uns. Die meisten sind schwerstpflegebedürftig (Pflegestufe III). Viele Familien kommen mehrfach im Jahr ins Kinderhospiz.“
An drei Tagen der offenen Tür (26., 27. und 28. September) besteht die Möglichkeit, das Kinderhospiz kennen zu lernen. Informationen: Kinderhospiz Balthasar, Maria-Theresia-Straße 30 a, 57462 Olpe, Telefon: 0 27 61/92 65 40, Internet: www.kinder hospiz-balthasar.de, Spendenkonto: Sparkasse Olpe, Kto. 54 54, BLZ 462 500 49. Deutscher Kinderhospizverein e.V., Bahnhofstraße 7, 57462 Olpe, Telefon: 0 27 61/96 95 55, Internet: www.deutscher-kinderhospizverein.de, Spendenkonto: Sparkasse Olpe, Kto. 18 000 372, BLZ 462 500 49. Fotos: Kinderhospiz Balthasar
An drei Tagen der offenen Tür (26., 27. und 28. September) besteht die Möglichkeit, das Kinderhospiz kennen zu lernen. Informationen: Kinderhospiz Balthasar, Maria-Theresia-Straße 30 a, 57462 Olpe, Telefon: 0 27 61/92 65 40, Internet: www.kinder hospiz-balthasar.de, Spendenkonto: Sparkasse Olpe, Kto. 54 54, BLZ 462 500 49. Deutscher Kinderhospizverein e.V., Bahnhofstraße 7, 57462 Olpe, Telefon: 0 27 61/96 95 55, Internet: www.deutscher-kinderhospizverein.de, Spendenkonto: Sparkasse Olpe, Kto. 18 000 372, BLZ 462 500 49. Fotos: Kinderhospiz Balthasar
Das Haus ist modern eingerichtet mit einer großen offenen Küche, Kinder- und Spielzimmern, einem Therapie- und Bewegungsbad sowie Familienappartements. Besonderer Beliebtheit erfreut sich neben dem Computerraum der Snoezelen-Raum, in dem die sinnliche Wahrnehmung unter anderem mithilfe von Musik, Lichteffekten und Verdunklung gefördert werden soll. In einer Gartenanlage stecken in den Blumenbeeten eine Reihe von Windrädern. Jedes von ihnen erinnert an ein verstorbenes Kind. In der finalen Phase kann die Familie zeitlich unbegrenzt aufgenommen werden, um neben der pflegerischen Entlastung eine qualifizierte Sterbebegleitung in einer vertrauten Umgebung zu erfahren. Das Abschiednehmen wird den Familienangehörigen in einem speziell dafür eingerichteten Raum ermöglicht. Und auch nach dem Tod des Kindes finden die Familien im Kinderhospiz eine Anlaufstelle. Das Haus sei Vorreiter in Deutschland. Inzwischen seien acht weitere Kinderhospize entstanden oder in Vorbereitung.
„Damit wir unser Angebot aufrechterhalten können, benötigen wir die Zuwendung privater Mittel“, bedauerte Barth. Lediglich ein kleiner Teil der Kosten werde über die Kranken- und Pflegekassen erstattet. Ohne ehrenamtliche Mitarbeiter würde man inzwischen nicht mehr auskommen. Gisela Klinkhammer
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