ArchivDeutsches Ärzteblatt PP9/2003Psychotherapie: Ärztliche Selbstverwaltung wird von Ärzten bestimmt

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Psychotherapie: Ärztliche Selbstverwaltung wird von Ärzten bestimmt

PP 2, Ausgabe September 2003, Seite 411

Niklas, Ronny

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LNSLNS Mit einer Stimme zu sprechen: Dies ist nun ein unmittelbarer Auftrag an unsere ärztlichen Vertretungsgremien. Wenn Herr Kommer, der Präsident der Bundes­psycho­therapeuten­kammer, ... die Verankerung der Psychotherapeuten in der ärztlichen Selbstverwaltung ausbauen möchte, so muss das unseren Widerspruch und unsere Ablehnung hervorrufen. Hier ist das Bewusstsein unseres ärztlichen Standes gefordert: Die ärztliche Selbstverwaltung wird durch Ärzte bestimmt. Die Professionalisierung als Arzt ist klar geregelt. Wer dies nicht vorweisen kann, ist kein Arzt. Der Psychologe kann diese nicht vorweisen, er kann demzufolge auch nicht in der ärztlichen Selbstverwaltung mitarbeiten. Ärztliche Selbstverwaltung setzt das Selbstbewusstsein der Zugehörigkeit zum ärztlichen Stand voraus. Diesem Stand gehört der Psychologe – wenn er nicht auch Arzt ist – nicht an.
Der verständliche Wunsch der Psychologischen Psychotherapeuten nach Teilhabe an der noch immer bestehenden Wertschätzung des ärztlichen Berufes ist verständlich. Diese Teilhabe setzt jedoch voraus: das erfolgreiche Studium der Medizin mit der anschließenden fachärztlichen Qualifikation. Nur unsere psychotherapeutisch tätigen ärztlichen Kollegen haben diese Voraussetzungen erfüllt. Sie tragen infolge ihrer ärztlichen (Aus-) Bildung zu einer psychotherapeutischen Versorgungsqualität bei, die von Psychologischen Psychotherapeuten nicht erreicht werden kann.
Herr Kommer betont, dass jede Krankheit eine körperliche und eine seelische Dimension habe. Dem ist so. Wir Ärzte können darüber hinaus sehen, dass noch weitere Dimensionen die Krankheit eines Menschen bestimmen: die soziale, die rechtliche, die ökologische. Nur das medizinische Studium beinhaltet in seinem Anforderungskatalog neben den körperlichen gerade auch die primär nichtkörperlichen Bezüge. Die Gewichtungen der Dimensionen kann somit nur der – erfahrene – Arzt vornehmen. Sein kompetentes Überweisungs- und Zuweisungsverhalten wird Kosten dämpfen. Die Handlungskompetenzen, die uns in der Visite am Krankenbett oder während der Sprechstunde – man beachte das Wort – in der Praxis abverlangt werden, können aufgrund ihrer Vielschichtigkeit hier nicht dargelegt werden. Diese Sachverhalte müssen klar zum Ausdruck gebracht werden und müssen unser Selbstverständnis und unsere Positionierung als Ärzte unmissverständlich bestimmen.
Dipl.-Biologe Dr. med. Ronny Niklas, Heckberg 8, 24623 Großenaspe
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