ArchivDeutsches Ärzteblatt PP9/2003Naher Tod: Interessant und mutig

BRIEFE

Naher Tod: Interessant und mutig

PP 2, Ausgabe September 2003, Seite 412

Brentano, Ralf-Raffael

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Ich fand Ihren Beitrag über NDEs (Near-Death-Experiences) sehr interessant und auch mutig. Interessant, weil er all das zusammenfasst, was es bisher auf diesem Gebiet in Psychologie/Psychiatrie/Neurologie zu lesen gibt, vom esoterischen Ballast befreit wurde und auch Raum für Anregungen sowie weitergehende Interpretationen lässt.
Mutig, weil die Beschäftigung damit in der Vergangenheit von vielen Kollegen belächelt und aus Unkenntnis wie auch Angst vor dem eigenen Ableben als unwissenschaftlich und unergiebig abgetan wurde, teilweise sogar rufschädigende Auswirkungen hatte.
Im März 2003 verunglückte ich selbst in der Namib-Wüste sehr schwer. Mein Jeep glitt in eine mit Treibsand gefüllte Straßensenke, die Vorderräder rissen weg, ich verlor bei Tempo 120 km/h die Kontrolle über den Wagen. Ich hörte mich entsetzlich schreien. Dann wusste ich plötzlich, dass es kein Zurück mehr geben würde. Ich hatte auf einmal das Gefühl, loszulassen und einfach nur zu warten, was wohl kommen oder passieren mag. Der Wagen überschlug sich mehrfach. Nach dem ersten Aufschlag rissen die Türen und Fenster raus, das Glas klirrte. Plötzlich war es ganz still und angenehm warm. Ich wunderte mich, dass abends um 19.00 Uhr die Sonne aufging und was das für ein merkwürdiges Gebilde sei. Es sah wie ein Tunnel aus, der sich weitete. Ich musste die gesamte Zeit in dieses Licht starren. Neugierde und Angstlosigkeit mischten sich. Es war alles so klar und real, wie es unter normalen Umständen auch gewesen wäre. Ich fragte mich, was das alles soll, als plötzlich ein Mann neben mir auftauchte und wohlwollend, aber sehr bestimmt sagte: „Du wirst nicht sterben.“ Anschließend fing es im Bauch an zu kribbeln, und es schoss Wärme bis in die Herz- und Halsgegend, es durchflutete mich eine unheimliche, zuvor noch nicht gespürte tiefe innere Gewiss-heit, dass ich nicht sterben werde. Danach verschwanden das Licht und der Mann, die nächsten Aufschläge habe ich noch mitbekommen. Ich stand dann neben meinem Auto, das einen Totalschaden hatte und zupfte mir nur einen kleinen Glassplitter aus dem Daumen. Sichtlich noch unter Schock kam ein Auto. Ein Fahrer sprach mich an; er stellte sich als Landsmann aus Brandenburg vor. Die Verwirrung war komplett. Danach hatte ich den Eindruck, als hätte jemand meine Lebensweichen verstellt. Ich bin heute ruhiger und gelassener; meine Genussfähigkeit hat sich stark verbessert, ich arbeite mit meinen Patienten intensiver und konzentrierter an wesentlichen Änderungspunkten.
Dipl.-Psych. Ralf-Raffael Brentano, Gethsemanestraße 4, 10437 Berlin
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige