ArchivDeutsches Ärzteblatt PP9/2003Erforschung neurotoxischer Effekte von Partydrogen noch am Anfang

WISSENSCHAFT

Erforschung neurotoxischer Effekte von Partydrogen noch am Anfang

PP 2, Ausgabe September 2003, Seite 414

bl-ki

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LNSLNS Es ist zu vermuten, dass die sich in der Entwicklungsphase befindlichen zerebralen Strukturen von Kindern und Jugendlichen viel vulnerabler für potenzielle psycho- und neurotoxische Effekte der Partydrogen sind als Erwachsenengehirne. Die wissenschaftliche Forschung auf diesem Gebiet hinkt allerdings den klinischen Erfahrungen hinterher. Relativ gute Daten gibt es inzwischen zu Ecstasy. Eine im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit durchgeführte Untersuchung der Arbeitsgruppe von Prof. Rainer Thomasius (Hamburg) hat ergeben, dass bei Dauerkonsumenten in etwa 50 Prozent der Fälle psychotische Störungen wie Halluzinationen, Personenverkennungen oder Wahnvorstellungen auftreten.
Bei neuropsychologischen Tests wurden darüber hinaus Defizite bei den Lern- und Gedächtnisfunktionen mit eindeutiger Dosis-Wirkungs-Beziehung nachgewiesen. Im Tierexperiment hat man eine verminderte Aktivität der Neurotransmitter Serotonin und Dopamin in verschiedenen Hirnregionen beobachtet. PET-Untersuchungen (Positronen­emissions­tomo­graphie) ließen bei Ecstasy-Konsumenten eine im Vergleich zu Kontrollen geringere Neuronendichte im visuellen und parietalen Kortex sowie im lymbischen System erkennen.
Obwohl Cannabis die meistgebrauchte illegale Droge sei, wisse man über das toxische Potenzial ausgesprochen wenig, prangerte Thomasius das Missverhältnis an. Aus tier- und zellexperimentellen Untersuchungen lägen Hinweise auf zytotoxische Effekte vor. Längsschnittstudien belegten eine höhere Prävalenz von Depressionen und Angststörungen bei langjährigen Cannabisusern als in der altersgleichen Bevölkerung. Ebenfalls belegt sei das Auftreten von Hirnleistungsstörungen mit allerdings uneinheitlicher Datenlage zur Reversibilität. bl-ki
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