ArchivDeutsches Ärzteblatt PP9/2003Psychoonkologie: Emotionale Situation verbessern

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Psychoonkologie: Emotionale Situation verbessern

PP 2, Ausgabe September 2003, Seite 421

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LNSLNS Mit Krebserkrankungen gehen Ängste, Bedrohungsgefühle, Traumatisierungen und Leiden in hohem Ausmaß einher. Nach wie vor gibt es nur wenige gesicherte Erkenntnisse zu den komplexen Verbindungen zwischen der Psyche, dem Immunsystem und dem Hormonsystem. Unklar ist auch, ob begleitende psychologische oder psychotherapeutische Maßnahmen dazu beitragen, dass Krebspatienten länger oder überhaupt überleben können. Auch die Einflussmöglichkeiten psychosozialer Interventionen auf die Krebsprogression wird nach wie vor kontrovers diskutiert.
Ungeachtet dessen ist es das Anliegen der Psychoonkologie, die emotionale Situation der Betroffenen zu verbessern. Durch psychoonkologische Interventionen lassen sich nachweislich Angst, Verzweiflung, Depression und Stress reduzieren. Darüber hinaus kann damit das Wissen um die Erkrankungen erweitert, das Gefühl der Kontrolle gestärkt, die Compliance verbessert und die Lebensqualität erhöht werden. Es gibt unterschiedliche Interventionsmöglichkeiten, die jedoch sehr vom Zeitfaktor abhängig sind. Beispielsweise kann es um die Verarbeitung des Schocks der Diagnose gehen oder um die Aufarbeitung länger zurückliegender Ereignisse. Dafür haben sich verschiedene Interventionsformen bewährt, beispielsweise supportive Einzelberatung und Krisenintervention, einzelpsychotherapeutische Behandlung und verhaltenstherapeutische Maßnahmen (unter anderem Coping, Entspannung, positives Denken, Reframing und kognitive Umstrukturierung) sowie alle Formen meditativer oder entspannungsfördernder Therapie und Familien-, Paar- und Gruppentherapie.
Damit können speziell im Affekt- und Copingbereich sehr gute Wirkungen erzielt werden. Die Effekte bei Wissenszuwachs, Compliance und Lebensqualität sind hingegen als gering einzustufen. Als sehr gut müssen jedoch die Wirkungen von verhaltensmedizinischen/-therapeutischen, supportiven einzeltherapeutischen und gruppentherapeutischen Maßnahmen bei der Reduzierung von Angst, Depression, Verzweiflung und Stress sowie beim Erwerb von Bewältigungsstrategien bezeichnet werden. Patienten profitieren demzufolge sehr von maßgeschneiderten psychosozialen Hilfen. Laut Autor sollte Betroffenen bei Bedarf zusätzliche psychoonkologische Hilfen angeboten werden.
„Seriöse Psychotherapie und Psychologie können in erster Linie nur ergänzend zu medizinisch indizierten Behandlungsmaßnahmen erfolgen. Sie stellen niemals einen Ersatz medizinischer Therapie dar und können auch nicht mit ihr konkurrieren“, mahnt Prof. Dr. Volker Tschuschke von der Universität Köln. ms

Tschuschke V: Psychologisch-psychotherapeutische Interventionen bei onkologischen Erkrankungen. Psychotherapeut 2003; 2: 48: 100–108.

Univ.-Prof. Dr. Dipl.-Psych. Volker Tschuschke, Arbeitsgruppe Medizinische Psychologie am Institut für Psychosomatik und Psychotherapie, Universität Köln, Joseph-Stelzmann-Straße 9, 50924 Köln, E-Mail: volker.tschuschke@medizin.uni-koeln.de
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