ArchivDeutsches Ärzteblatt PP9/2003Posttraumatische Belastungsstörung: Bei Heranwachsenden noch kaum erforscht

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Posttraumatische Belastungsstörung: Bei Heranwachsenden noch kaum erforscht

PP 2, Ausgabe September 2003, Seite 422

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LNSLNS Die posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) kann bei Kindern und Jugendlichen nach besonders belastenden Erlebnissen, wie beispielsweise Naturkatastrophen, Unfällen und Erlebnissen von sexueller oder nicht-sexueller Gewalt, auftreten. Es wird vermutet, dass Kinder ab drei bis vier Jahren von PTBS betroffen sein können. Zwischen sieben bis fünfzehn Prozent aller Jugendlichen erkranken nach einer Traumatisierung an PTBS. „Typische Symptome sind emotionale Taubheit, autonome Übererregung und Wiedererleben“, berichten die Autoren. Die emotionale Taubheit zeigt sich durch ein vermindertes Interesse an zuvor bedeutsamen Dingen, an Entfremdungsgefühlen und an Gefühllosigkeit. Auch die Wahrnehmung einer verkürzten Zukunft ist typisch. Beispielsweise glauben die Betroffenen nicht mehr daran, jemals erwachsen zu werden oder die Schule zu beenden. Sie sorgen sich übermäßig, dass Familienmitgliedern oder Freunden etwas zustoßen könnte. Darüber hinaus verlieren die Betroffenen teilweise schon erworbene Fähigkeiten und zeigen regressives Verhalten. Eine erhöhte autonome Erregung führt zu übermäßiger Wachsamkeit, Schreckhaftigkeit, Reizbarkeit und Aggressivität. Die Betroffenen haben Schlaf-, Konzentrations- und Gedächtnisschwierigkeiten. Leistungsstörungen, die vor dem Trauma bestanden, werden verstärkt, und die Schulleistungen lassen nach. Sehr belastend wird auch das Wiedererleben des traumatischen Geschehens im Wachen oder Schlafen (Intrusionen) erlebt. Darüber hinaus fühlen sich die Betroffenen belastet, wenn sie mit Dingen konfrontiert werden, die an das Trauma erinnern. Betroffene Kinder und Jugendliche klammern sich an die Bezugsperson an oder sind auffällig aggressiv. Sie zeigen Angst vor Dunkelheit oder dem Alleine-Sein und haben häufig Bauch- oder Kopfschmerzen. Doch die Diagnose ist nicht einfach, denn die PTBS-Kriterien wurden auf der Basis der Symptomatik Erwachsener entwickelt. „Sie spiegeln möglicherweise nicht die Reaktionen im Kindes- und Jugendalter wider“,
geben die Autoren zu bedenken. Die Diagnose wird auch dadurch erschwert, dass sich kleine Kinder teilweise nicht verbal äußern können und ihre Erinnerung anfällig für Verzerrungen sind. Daher mahnen die Autoren zur Vorsicht und zu einer verantwortungsvollen Interviewtechnik. Die Behandlung durch Konfrontation in sensu und durch kognitive Interventionstechniken ist möglicherweise erfolgversprechend. Nach Traumatisierung durch Naturkatastrophen oder Kriegsereignisse bietet sich die Behandlung in Gruppen an. Im Gruppensetting wurden Prinzipien der kognitiv-behavioralen Therapie erfolgreich angewandt. Bei der Behandlung spielt auch die Familie der Betroffenen eine wichtige Rolle. Deshalb sollte sie unbedingt einbezogen und gegebenenfalls speziell trainiert werden, um die Verarbeitungsprozesse der Betroffenen unterstützen zu können. „Es ist nicht bekannt, ob eine zusätzliche psychopharmakologische Behandlung einen Gewinn bringt,“ berichten die Autoren und raten daher, betroffene Kinder und Jugendliche zunächst nur psychotherapeutisch zu behandeln. Nach Einschätzung der Autoren gibt es immer noch viele Wissenslücken und Unklarheiten über Diagnose, Epidemiologie und Behandlung der PTBS bei Kindern und Jugendlichen. ms

Steil R, Straube ER: Posttraumatische Belastungsstörungen bei Kindern und Jugendlichen. Zeitschrift für Klinische Psychologie und Psychotherapie 2002; 31: 1: 1–13.

Dr. phil. Dipl.-Psych. Regina Steil, Institut für Psychologie der FSU Jena, Am Steiger 3, Haus 1, 07743 Jena, E-Mail: s6stre@rz.uni-jena.de
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