ArchivDeutsches Ärzteblatt46/1996Arzneimittel: Kassen müssen Farbe bekennen

SPEKTRUM: Leserbriefe

Arzneimittel: Kassen müssen Farbe bekennen

Dtsch Arztebl 1996; 93(46): A-2978 / B-2522 / C-2244

Blümke, A.

Zu dem Beitrag "Rationierte Arzneimittelversorgung?" von Dr. med. Peter Schwoerer in Heft 43/1996
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LNSLNS . . . Es ist überfällig, an die Versicherer die unmißverständliche Forderung zu stellen, daß sie ihren Versicherten gegenüber Farbe über ihr begrenztes Leistungsvermögen zu bekennen haben. Die Kassen müssen gezwungen werden, ohne Orwellsche Begriffsverwirrung wie "das medizinisch Notwendige müsse verordnet werden", ihren Mitgliedern zu offenbaren, welche Leistungen sie bereit sind zu zahlen und welche sie aus ihrem Leistungskatalog zu streichen gedenken. Die KBV hat klarzustellen, daß die niedergelassenen Ärzte nicht die Schiedsrichterrolle über die Gewährung medizinischer Leistungen übernehmen wollen und können. Sind beispielsweise Massagen nicht bezahlbar, so sind es die Kassen, die hierzu Beschlüsse fällen müssen. Der Vorschlag, einige Leistungen nur noch in medizinisch zwingenden Ausnahmefällen zu verordnen, mag in dieser verfahrenen Situation unausweichlich sein, beinhaltet jedoch die Gefahr, daß die Ärzte sich als Verweigerer profilieren und die Prügel beziehen, die den Kassen zustehen. Zudem ist er Ausdruck strategischer Unbeweglichkeit, da das grundsätzliche Problem der begrenzten Verordnungsfähigkeit von den niedergelassenen Ärzten nicht gelöst werden kann.
Solange sich die KBV auf "Einwände fachlicher und rechtlicher Art" beschränkt, ohne erkennen zu lassen, wie sie diese Einwände auf dem Rechtsweg durchzusetzen gedenkt, können wir nur die Verlierer sein. Im übrigen ist das Ansinnen der KBV, als Verwalter des Budgets allen Niedergelassenen unterschiedslos ohne Einzelfallprüfung ihr Honorar vorzuenthalten, nicht minder juristisch bedenklich.
Bei den gehandelten Summen könnte dies offensichtlich zu der absurden Situation führen, daß Kollegen über die von ihnen verordneten Leistungen hinaus zur Kasse gebeten werden.
Sollte die KBV in Zukunft nicht in der Lage sein, die Kassen bezüglich ihrer Leistungsfähigkeit zu klaren Aussagen und zur Herausgabe der kassenarztbezogenen Verordnungsdaten zu zwingen, so muß sie sich Versagen und eine Mitschuld an der für viele, vor allem kleinere, Praxen entstandenen Katastrophe vorwerfen lassen.
Dr. med. A. Blümke, Kastanienstraße 2, 38723 Seesen-Münchehof
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