ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2003Rehabilitation: Der Druck wächst

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Rehabilitation: Der Druck wächst

Dtsch Arztebl 2003; 100(38): A-2401 / B-2005 / C-1889

Clade, Harald

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LNSLNS Die Einrichtungen der medizinischen Rehabilitation sehen sich mit der Einführung diagnosebezogener Fallpauschalen (DRGs) unter einem wachsenden Leistungs- und Kostendruck: Weil die neuen Fallpauschalen, die ab dem Jahr 2004 flächendeckend und obligatorisch – noch unter den geschützten Bedingungen der Budgetneutralität – im Akutkrankenhaussektor eingeführt werden, kann dies zu einer vermehrten Patientenselektion und zu einer frühzeitigen Entlassung von Akutpatienten führen mit der Folge, dass im Akutbehandlungssektor die Leistung verdichtet und die Verweildauer verkürzt wird.
Dies verstärkt aber den Leistungs- und Kostendruck auf die nachgelagerten Einrichtungen der medizinischen Rehabilitation und Anschlussheilbehandlung ebenso wie der Pflege. Es überrascht daher nicht, dass die Interessenwahrer der Reha-Einrichtungen (der Bundesverband Deutscher Privatkrankenanstalten und die Deutsche Gesellschaft für Medizinische Rehabilitation) frühzeitig auf diese Wechselwirkungen und das durch das DRG-System begünstigte Phänomen der „kommunizierenden Röhren“ hingewiesen haben.
Auch deshalb überlegt die Politik, die Schnittstellen zwischen akutstationärer Krankenhausversorgung, medizinischer Rehabilitation und vertragsärztlicher Versorgung unter dem Eindruck der DRG-Finanzierungsumstellung neu zu definieren. Als „Mittel der Wahl“ werden Komplexvergütungen in bestimmten Leistungssektoren der ambulanten Versorgung und der Reha empfohlen.
Bisher gibt es noch keine praxistauglichen Fallgruppensysteme zur Abbildung von medizinischen Reha-Leistungen. Aber es gibt einzel-
ne Vorstöße, um Komplexpauschalen beispielsweise in der Orthopädie verbindend zwischen Reha und Akutversorgung einzusetzen – so in Schleswig-Holstein und nun auch bei der AOK Hessen.
Jetzt sind die Kooperationspartner Krankenhaus und Reha mit neuen Ideen gefordert. Das Ungemach einfach auf sich zutreiben oder den Markt über eine unzulängliche Schnittstellenregelung entscheiden zu lassen ist kein vernünftiger Ausweg. Dr. rer. pol. Harald Clade
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