ArchivDeutsches Ärzteblatt46/1996Abtreibung: Grenzenlose Beliebigkeit

SPEKTRUM: Leserbriefe

Abtreibung: Grenzenlose Beliebigkeit

Dtsch Arztebl 1996; 93(46): A-2978 / B-2522 / C-2244

Overdick-Gulden, Maria

Zu dem Beitrag "Wann beginnt das Lebensrecht?" von Gisela Klinkhammer in Heft 34?35/1996
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LNSLNS Die inneren Widersprüchlichkeiten der Neuregelung des Paragraphen 218 als Basis für eine rechtspositive Setzung mit einer Neubestimmung dessen zu nutzen, was in Zukunft unter menschlichem Lebensrecht zu verstehen sei, wie das der Rechtsphilosoph Norbert Hoerster tut, mag naheliegen. Hoersters Vorschlag hat sich aber nicht nur von der Metaphysik verabschiedet, sondern liegt auch allzuweit entfernt von dem, was hippokratischer Eid, Genfer Ärztegelöbnis und das Grundgesetz unserer Republik beinhalten, und hat sich sogar von einem "natürlichen Rechtsempfinden" losgesagt. Sowohl in praxi wie in ihren Konsequenzen erweist sich Hoersters "Lösung" – die Abhängigkeit des menschlichen Personenstatus und seiner Unantastbarkeit von Bewußtheit und Lebensinteresse anhand geäußerter oder erkennbarer Wünsche – als eine buchstäblich grenzenlose Beliebigkeit (vergleiche Hoersters Vorschlag bei extremen Frühgeburten). Daß menschliche Existenz wie alles Lebendige von Anfang an höchstes Interesse an Überleben und Weiterentwicklung hat, erweisen die organisatorischen Höchstleistungen auf biochemischer und zellulärer Ebene gerade in der menschlichen Frühstphase. Sie ist von zielgerichteteter Bewußtheit geleitet. Das individuell gesteuerte Interesse an der Differenzierung zum immer eigenständigeren unverwechselbaren Individuum mit je eigenen Strukturen kann heute in der Pränataldiagnostik bereits sonographisch als kontinuierlicher Prozeß mitverfolgt werden. Die Beweislast für die Dignität eines anthropologischen Konzepts liegt nicht bei der bisher bewährten naturrechtlichen Auffassung vom Menschen als Person von der Zeugung an, sondern bei der Philosophie, die an den Grundprinzipien des abendländischen Humanitätsverständnisses mit nicht nachvollziehbaren Überlegungen zu rütteln versucht.
Dr. Maria Overdick-Gulden, Mühlenweg 4, 54340 Klüsserath
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