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Dtsch Arztebl 2003; 100(38): A-2424 / B-2027 / C-1909

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Dr. jur. Christoph Uleer, Geschäftsführer von Medicproof GmbH, Köln Foto: Archiv
Dr. jur. Christoph Uleer, Geschäftsführer von Medicproof GmbH, Köln Foto: Archiv
DÄ: Befürchten Sie, dass die Medicproof-Ärzte wegen der jüngsten politischen Diskussion zur Zukunft der Pflegeversicherung „arbeitslos“ werden könnten?
Dr. jur. Christoph Uleer: Einen Auftragsrückgang sehen wir wegen der verringerten Zahl der Wiederholungsgutachten schon. Wir wollen dem begegnen, indem Medicproof GmbH ihre Dienste auch den Städten und Gemeinden für die Sozialhilfe anbietet. Arbeitslosigkeit ist aber nicht zu befürchten, weil die politische Verunsicherung bei der Pflegeversicherung die private Pflegepflichtversicherung nicht erreichen kann. Sie hat im Gegensatz zur sozialen Pflegeversicherung für die Zukunft vorgesorgt, inzwischen mit 9,8 Milliarden Euro, das sind etwa fünf Jahresbeiträge für jeden der fast neun Millionen Versicherten. Deshalb konnten dreimal sogar die Beiträge gesenkt werden.

DÄ: Seit In-Kraft-Treten der Pflegepflichtversicherung im Januar 1995 wurden die pauschalen Vergütungssätze für die vertraglich mit Medicproof verbundenen Gutachter nur unzureichend erhöht. Sind die Vergütungen ausreichend, und entsprechen sie vergleichbaren Aufwendungen und Vergütungen nach der GOÄ?
Dr. Uleer: Seit die private Kran­ken­ver­siche­rung (PKV) im Jahr 1996 Medicproof GmbH übernommen hat, sind die Arzthonorare dreimal erhöht worden, und zwar von 66 Euro über 82 Euro auf 92 Euro im Jahr 1999. Im vergangenen Jahr wurden die Honorare dann noch einmal auf 100 Euro angehoben. Zurzeit entsprechen die Gutachterhonorare in etwa der nach der GOÄ zum 2,3fachen Satz möglichen Vergütung. Außerdem haben wir seither die Reisekostenpauschale deutlich verbessert und die von der Rechtsprechung veranlasste Mehrwertsteuer für die Gutachter übernommen. Über eine weitere Verbesserung wird im Zusammenhang mit einer Optimierung des Informationsaustauschs über Datenverarbeitung nachgedacht.

DÄ: Vor fünf Jahren meldete Medicproof eine überdurchschnittlich hohe Anzahl von Kündigungen von Rahmenverträgen mit ärztlichen und sonstigen Gutachtern. Was waren die Ursachen, und hat sich die Fluktuation inzwischen auf einem geänderten Niveau eingependelt?
Dr. Uleer: Die nach der Übernahme von Medicproof durch die PKV auf circa 12 Prozent angestiegene Fluktuation hat sich inzwischen bei rund acht Prozent jährlich eingependelt. Zu ihr tragen nicht nur Vertragsauflösungen infolge des Erreichens der Altersgrenze, des geringer gewordenen Beschäftigungsumfanges oder qualitative Mängel bei, sondern auch Vertragsbeendigungen durch die Gutachter selbst.

DÄ: Was tut Medicproof für die Qualitätssicherung, die Fortbildung und Unterweisung ihrer Gutachter? Findet ein regelmäßiges Gutachtercontrolling statt?
Dr. Uleer: Die Qualitätssicherung ist in erster Linie Aufgabe der sieben hauptamtlich bei Medicproof beschäftigten Ärztinnen und Ärzte. Es erfolgt eine tägliche Stichprobenkontrolle in der Reihenfolge des Posteingangs. Bei jedem Gutachter werden 35 Angaben einer Prüfung unterzogen. Neben der Überprüfung auf Vollständigkeit und formale Mängel geht es um die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben. Dieses Verfahren erleichtert die generelle Aufdeckung von Schwachstellen und eine ständige Qualitätsverbesserung. Die Fortbildung umfasst fünf Elemente: Bei der Einstellung neuer Gutachter gibt es Einführungsseminare, teilweise sogar im kleinsten Kreis. Zu grundsätzlichen Fragen gibt es spezielle Fortbildungsveranstaltungen, zum Beispiel zur Hilfsmittelversorgung und zu den Besonderheiten der Kinderbegutachtung. Zwischen den Gutachtern werden regelmäßig regionale Treffen zum Erfahrungsaustausch unter der Moderation der Kölner Zentrale organisiert. Sie werden in der Regel von 20 Gutachtern besucht. Bei besonders wichtigen Anlässen gibt es auch zentrale Veranstaltungen mit bis zu mehreren Hundert Teilnehmern. Die hauptamtlich tätigen Ärzte von Medicproof stehen den Gutachtern auch für die individuelle Beratung zur Verfügung. Dasselbe gilt auch für die Versicherungsunternehmen. Den Erfolg der Qualitätssicherung messen wir an den Beschwerden der Versicherten. Sie machen inzwischen weniger als 0,01 Prozent der Fälle aus.
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