ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2003Was ist Medizin? Westliche und östliche Wege der Heilkunst

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Was ist Medizin? Westliche und östliche Wege der Heilkunst

Dtsch Arztebl 2003; 100(38): A-2437

Unschuld, Paul U.

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Heilkunst
Anregender Einblick
Paul U. Unschuld: Was ist Medizin? Westliche und östliche Wege der Heilkunst. Verlag C. H. Beck, München, 2003, 296 Seiten, 19 €
Die westliche Medizin interpretiert ihre historische Entwicklung meist als kontinuierlichen Fortschritt, der seit mehr als 150 Jahren auf den stets anwachsenden Erkenntnissen der naturwissenschaftlichen Grundlagenforschung, auf der Einbeziehung zeitgemäßer Technologie und nicht zuletzt auch auf der zunehmenden Kenntnis des menschlichen Organismus beruht. Ungeachtet aller Erfolge wenden sich jedoch weite Teile der Bevölkerung immer häufiger alternativen, insbesondere aus asiatischen Kulturen stammenden heilkundlichen Systemen zu. Wenn der Münchner Medizinhistoriker Paul U. Unschuld, seit langem ausgewiesener Experte für die historisch-vergleichende Untersuchung medizinischer Systeme in China und Europa, somit die Grundsatzfrage stellt, was eigentlich die Medizin, insbesondere ihren theoretischen Fortschritt, ausmache, so ist dies auch von hoher gesundheitspolitischer Aktualität.
Zur Beantwortung dieser Frage beschreitet Unschuld neue gedankliche Wege. Er zeigt auf, und dies mag für manchen Leser irritierend sein, dass die Aufeinanderfolge der Theorien der vergangenen zwei Jahrtausende mitnichten allein durch die Beobachtung des gesunden und des kranken Körpers bewirkt worden sein kann. Das wissenschaftliche Bild vom Körper zog zwar stets morphologische, physiologische und pathologische Realitäten in Betracht, es wurde jedoch maßgeblich von anderen Erfahrungsbereichen geprägt, insbesondere von existenziellen Ängsten und Hoffnungen, die sich mit realen oder idealen politisch-gesellschaftlichen Strukturen verknüpften. Unschuld verdeutlicht, warum bestimmte medizinische Theorien Teilen der Bevölkerung plausibel sind und anderen nicht (er spricht vom „Wahrschein“ medizinischen Wissens) und erläutert die Ursachen sowohl für historischen Wandel als auch für die zunehmende Attraktion alternativer Heilideen in der Gegenwart. Das in essayistischem Stil abseits jeder ermüdenden akademischen Fußnotengelehrsamkeit gehaltene Buch vermittelt dem heutigen Arzt einen anregenden Einblick in grundsätzliche Probleme seines Faches. Matthias M. Weber
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