ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2003Filmszenen animieren Jugendliche zum Rauchen

MEDIZIN: Referiert

Filmszenen animieren Jugendliche zum Rauchen

Dtsch Arztebl 2003; 100(38): A-2445 / B-2041 / C-1922

Seger, Gabriele

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LNSLNS Jugendliche, die in Film und Fernsehen häufig mit Raucherszenen konfrontiert werden, zeigen ein erhöhtes Risiko ebenfalls mit dem Rauchen zu beginnen. So lauten die bisherigen Ergebnisse einiger Querschnittsstudien. Madeline Dalton et al. überprüften diese Resultate in einer prospektiven Kohortenstudie.
Die Autoren untersuchten die Wirkung von Filmszenen, in denen geraucht wird, auf das Verhalten von 3 547 Jugendlichen. Die Probanden waren im Alter zwischen 10 und 14 Jahren. Alle Adoleszenten hatten in einer vorhergehenden Befragung im Jahr 1999 angegeben, noch nie geraucht zu haben. Um die Auswirkungen auf das spätere Raucherverhalten zu ermitteln, bekamen die Probanden eine Liste mit 50 randomisiert ausgesuchten, populären Filmen vorgelegt, die Raucherszenen enthielten. Anhand der Angaben der Jugendlichen zu den gesehenen Filmen wurde die Anzahl der Raucherszenen bestimmt, denen jeder Befragte ausgesetzt gewesen war.
Nach einem Follow-up von 13 bis 26 Monaten konnten 2 603 der Studienteilnehmer telefonisch zu ihrem Tabakkonsum befragt werden. Circa zehn Prozent (249) der Jugendlichen hatten inzwischen mit dem Rauchen begonnen. In der Gruppe der Jugendlichen, in der die Anzahl der gesehenen Raucherszenen am höchsten war, hatten 17 Prozent (107) mit dem Rauchen angefangen.
Demgegenüber zählten in der Gruppe, in der die Anzahl der angeschauten Raucherszenen am niedrigsten war, nach dem Follow-up nur drei Prozent zu den Rauchern. Das Risiko mit dem Tabakkonsum zu beginnen, war bei den Teilnehmern der Gruppe mit einer hohen Anzahl an gesehenen Raucherszenen fast um das 2,7fache erhöht verglichen mit den Jugendlichen, die am wenigsten solchen Filmszenen ausgesetzt waren.
Der Effekt war zudem bei Adoleszenten, deren Elternteile beide Nichtraucher waren, größer, als bei denen mit einem Tabak konsumierenden Elternteil. Dalton et al. führten in dieser Gruppe bei mehr als 50 Prozent das Rauchen auf das Ansehen von Raucherszenen in Filmen zurück.
Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass Filmszenen, in denen geraucht wird, Jugendliche animieren können, ebenfalls mit dem Rauchen zu beginnen. se

Dalton MA, Sargent JD, Beach ML, Titus-Ernstoff L, Gibson JJ, Ahrens MB, Tickle JJ, Heatherton TF: Effect of viewing smoking in movies on adolescent smoking initiation: a cohort study. Lancet 2003; 362: 281–285.

Dr. Madeline A. Dalton, Department of Paediatrics, Dartmouth Medical School, One Medical Center Drive, Lebanon, Nh 03756, USA, E-Mail: Madeline.Dalton@Dartmouth.edu

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