ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2003COMET-Studie: Herzinsuffizienz – Betablocker wirken unterschiedlich

VARIA: Wirtschaft - Aus Unternehmen

COMET-Studie: Herzinsuffizienz – Betablocker wirken unterschiedlich

Dtsch Arztebl 2003; 100(38): A-2463

Blaeser-Kiel, Gabriele

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Der Ausgang der COMET-Studie (Carvedilol Or Metoprolol European Trial) lasse für die Therapie der chronischen Herzinsuffizienz eine klare Überlegenheit von Carvedilol gegenüber Metoprolol erkennen. Für die Patienten bedeute dies einen Gewinn an Lebenszeit von 1,4 Jahren, nannte Studienleiter Prof. Philip Poole-Wilson (London) das in seinen Augen wichtigste Ergebnis dieses größten und längsten (mehr als 14 000 Patientenjahre) Direktvergleichs zweier Beta-Rezeptorenblocker.
Verbesserte Überlebensrate überraschte Experten
An COMET teilgenommen hatten in fünfzehn europäischen Ländern 3 029 Patienten mit leichter bis schwerer chronischer Herzinsuffizienz (NYHA Klassen II bis IV). Die Auswurffraktion war im Mittel auf 26 Prozent eingeschränkt. Die Randomisierung erfolgte doppelblind zu Carvedilol (Dilatrend®) oder Metoprolol – jeweils zur individuell erforderlichen Basistherapie.
Innerhalb des Beobachtungszeitraums von vier bis sechs Jahren (im Mittel 4,8 Jahre) verstarben im Carvedilol-Arm 34 Prozent und im Metoprolol-Arm 40 Prozent der Patienten. Das entspricht einer relativen Risikoreduktion von 17 Prozent (p = 0,0017). Beim zweiten primären Endpunkt (Gesamtmortalität plus Notwendigkeit einer stationären Behandlung aus jedem Grund) ergab sich kein Unterschied zwischen den beiden Gruppen (74 versus 76 Prozent).
Die statistisch signifikant bessere Überlebensrate unter Carvedilol kam für viele Experten überraschend. Denn in den drei maßgeblichen placebokontrollierten Herzinsuffizienz-Interventionsstudien hatten sich Betablocker als gleichermaßen lebensverlängernd erwiesen. Sowohl in
COPERNICUS (Carvedilol Prospective Randomized Cumulative Survival Trial; n = 2 289), MERIT-HF (Metoprolol CR/XL Randomized Intervention Trial in Heart Failure/n = 3 991) als auch CIBIS II (Cardiac Insufficiency Bisoprolol Study; n = 2 647) war das Sterberisiko um 35 beziehungsweise 34 Prozent gesenkt worden.
Daher werden vor allem zwei Aspekte zurzeit kritisch diskutiert: Spielte die Galenik eine Rolle? Waren die Dosen äquipotent? In COMET war Metoprolol nicht wie in MERIT-HF als Succinat in der „ZOK-Formulierung“ (kontinuierliche Wirkstoffabgabe über zwanzig Stunden) eingesetzt worden, sondern als unretardiertes Tartrat. Zudem betrug die durchschnittliche Metoprolol-Erhaltungsdosis in COMET 85 mg/Tag (Zieldosis 100 mg/Tag) und in MERIT-HF 159 mg/Tag (Zieldosis 200 mg/Tag). Die Carvedilol-Dosen in COMET und COPERNICUS stimmten dagegen mit 42 und 37 mg/Tag (Zieldosis jeweils 50 mg/Tag) eher überein.
Nichtselektive Blockade von Carvedilol ist vorteilhaft
Für Prof. Martin Wehling (Mannheim) ist der in COMET dokumentierte Unterschied bei der Überlebensrate eindeutig Ausdruck des unterschiedlichen Wirkprofils der beiden Betablocker. Carvedilol sei eine unselektive Substanz, die nicht wie Metoprolol und Bisoprolol allein Beta1-, sondern darüber hinaus auch Beta2- und Alpha1-Rezeptoren blockiere. Die Vorteile des multiplen Eingriffs in das aktivierte sympathetische System seien durch zahlreiche klinische Studien belegt, wie er an einigen Beispielen verdeutlichte:
- Blutdruck: Aufgrund des zusätzlichen vasodilatativen Effekts ist die Responderrate mit 84 Prozent höher als unter jeder anderen antihypertensiven Monotherapie (40 bis 60 Prozent).
- Glucosetoleranz: Die Insulinsensitivität wird verbessert (und nicht verschlechtert wie in der Regel unter selektiver Beta1-Blockade).
- Cholesterinstoffwechsel: Der Einfluss auf das Lipidprofil ist ebenso gering wie durch die in dieser Hinsicht „neutrale“ ACE-Hemmung.
- Linksventrikuläre Funktion: Die Auswurfleistung wird stärker angehoben als unter selektiver Beta1-Blockade.
Eine Benachteiligung von Metoprolol in Hinblick auf die in COMET angestrebte Tagesdosis sieht Wehling nicht. Man habe sich an der Herzfrequenz orientiert, weil man diesen Effekt der Betablockade objektiv messen könne. Die Erwartungen seien auch bestätigt worden.
Nach initialer etwas stärkerer Absenkung durch Carvedilol unterschied sich im weiteren Verlauf die mittlere Herzfrequenz in den beiden Studienarmen nicht mehr signifikant. COMET spiegele eher die Realität des klinischen Alltags wider als MERIT-HF, sprach Wehling einen weiteren Punkt an. Seiner Erfahrung nach liege in Deutschland die von Herzinsuffizienz-Patienten tolerierte Metoprolol-Dosis im Schnitt bei 70 mg/Tag. Gabriele Blaeser-Kiel

Pressekonferenz „Sensationelle Ergebnisse der COMET-Studie“ der Hoffmann-La Roche AG in Straßburg anlässlich des „European Society of Cardiology’s Heart Failure 2003 Meeting“
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema