SPEKTRUM: Bücher

Calcutta

Dtsch Arztebl 1996; 93(46): A-2984 / B-2334 / C-2096

Flörkemeier, Volker

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LNSLNS Komitee "Ärzte für die Dritte Welt"
Einsatz in Kalkutta
Volker Flörkemeier: Calcutta. Sie keuchen, aber sie singen dabei – die Menschen in den Slums jenseits des heiligen Flusses, 1996, Bezug: Edition Mühlenbach, Friedrich-Wilhelm-Straße 160, 56077 Koblenz, 120 Seiten, 39,80 DM
Kalkutta ist für viele der Inbegriff menschlichen Elends und Leidens, Auswegs- und Hoffnungslosigkeit. Nicht wenige Ärzte halten deshalb einen ärztlichen Einsatz in der sogenannten dritten Welt nur für einen Tropfen auf den heißen Stein.
Ganz anders sieht es Dr. med. Volker Flörkemeier. Der Autor, praktizierender Internist, leistete während der Jahreswende 1993/94 einen sechswöchigen Einsatz für das Komitee "Ärzte für die Dritte Welt". In den Slums von Kalkutta behandelte er Kranke unter einfachsten Bedingungen in einer Ambulanz des Komitees. Flörkemeier erlebte dort Ohnmacht und Trauer, auch Angst um sein Leben, dennoch aber Glück und innere Zufriedenheit. Er lernte die Menschen in den Slums, mit denen er sechs Wochen sein Leben teilte, schätzen und lieben.
Aus seinen Tagebuchaufzeichnungen, in denen er seine Erlebnisse, Beobachtungen und Empfindungen festhielt, entstand dieses eindrucksvolle, reich bebilderte Buch. Es gibt einen Einblick in das Leben und Leiden der Menschen in den Slumgebieten. Dabei können viele Probleme nur angetippt werden und führen den mitdenkenden Leser zu immer weiteren Fragestellungen. Antworten, zumal befriedigende, lassen sich kaum finden. Hier bleibt nur noch Camus’ "Dennoch!". Westeuropäische Maßstäbe, auch ärztlichen Handelns, gelten dort nicht: Einfachste Therapien sind vielen ebenso nicht zugänglich wie dringendste chirurgische Eingriffe. Die ärztliche Kunst liegt allein im richtigen Gebrauch der fünf Sinne. High-Tech ist dort ebenso undenkbar wie eine ärztliche Regelversorgung. Die einfachsten menschlichen Bedürfnisse sind nicht erfüllt. Bitterster Hunger, der Kampf ums nackte Überleben im Dreck der Millionenstadt bestimmen den Alltag der chancenlosen Slumbewohner.
Das Buch dokumentiert die wichtige Arbeit des Komitees. Es kann interessierte Ärzte und Zahnärzte anregen, ihre Arbeitskraft – zumindest für eine begrenzte Zeit – einem solchen Projekt zu widmen, somit durch ihre Hilfe die Würde der Menschen zu achten und Verantwortung für sie zu übernehmen.
Nähere Auskünfte über die Projekte sind unter folgender Adresse zu erhalten: Komitee "Ärzte für die Dritte Welt", c/o Bernhard Ehlen SJ, Elsheimerstraße 9, 60322 Frankfurt/Main, Telefon 0 69/71 91 14 56, Fax 71 91 14 50. Spenden (steuerlich abzugsfähig) können auf folgendes Konto überwiesen werden: Ärzte für die Dritte Welt e.V., Konto-Nr. 234 567, Frankfurter Sparkasse (BLZ 500 502 01).
Stephanie Krannich, Bonn
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