ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2003„Das Verfallsdatum“

VARIA: Post scriptum

„Das Verfallsdatum“

Dtsch Arztebl 2003; 100(38): [72]

ALLIUM

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Einst glaubte man, und wollt’s nicht wehren,
die grauen Häupter muss man ehren.
Aufstehen muss man, Rat annehmen.
Sich der Erfahrung auch nicht schämen.
Doch heut, wo’s um Monetik geht,
kommt Altersweisheit stets zu spät.
Einsparen will man bei den Alten.
Sie soll’n Gesundheit selbst erhalten.
Bis 75 Jahre – es ist schon so weit –
reicht biologisch heut’ die Tauglichkeit.

Für alle tritt nun – ist das fein –
das „therapeutische Verfallsdatum“ ein.
Dann gibt’s nicht mehr, was nötig ist.
Gebiss, auch Brillen – wie ihr wisst!
Prothesen gar und Operationen,
die fallen weg. Man kann doch klonen.
Dialysen und Hörgeräte werden gespart.
Das Alter wird mit Schmerz gepaart.

Die Kosten werden dann zu hoch.
Was nützt der Alte denn auch noch?
Die christliche Gesellschaftslehre
rät das zur Lösung der Misere!
Man glaubt es nicht, und, welche Schmach,
die „junge Union“ plappert’s nach.
Und fordert lauthals, wie man’s kennt:
„Für alte Menschen – keinen Cent!“

Da denk ich mir – und das ganz kalt:
„Ihr Jungen werdet auch mal alt!
Dann werdet ihr mit 70 Jahren
wohl dankbar in die Hölle fahren?
Die Toten wird man dann einstampfen
und frohgemut als Müsli – mampfen!“
ALLIUM
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema