ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2003Hausärzteverband: Ernüchterung

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Hausärzteverband: Ernüchterung

Maus, Josef

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LNSLNS Zu gerne hätte der scheidende Vorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Prof. Dr. med. Klaus-Dieter Kossow, zum Ende seiner Amtszeit „eine rundum befriedigende“ Gesundheitsreform präsentiert. Eine solche Reform, so Kossow am 18. September auf dem Hausärztetag in Travemünde, hätte man auch „kurz und bündig Hausärzteförderungsgesetz“ nennen können. Aber die Dinge kamen anders. Statt ungetrübter Freude über eine in Gesetzestext gegossene Stärkung der hausärztlichen Versorgung herrschte bei der Delegiertenversammlung Katerstimmung. Kossows ernüchterndes Fazit: „Wieder einmal sind wichtige Ziele unseres Verbandes zwischen die Mühlsteine der großen Politik geraten.“
Die Hausärzte sind vor allem darüber enttäuscht, dass ihnen der aktuelle Entwurf der Gesundheitsreform die angestrebte Vorrangstellung in der ambulanten Versorgung vorenthält. Die gewünschten Hausarzttarife wird es – zumindest obligatorisch – nicht geben. Stattdessen sollen die Krankenkassen lediglich verpflichtet werden, ihren Versicherten auf freiwilliger Basis eine hausarztzentrierte Versorgung anzubieten. Eine weitere bittere Pille: Nur mit „besonders qualifizierten“ Hausärzten sollen die Kassen Verträge schließen.
Aus der Distanz betrachtet, sind die Ergebnisse der Reform für die Hausärzte jedoch besser als deren Reaktion darauf (mehr dazu in einer der nächsten Ausgaben des Deutschen Ärzteblattes). Der Grund für die Katerstimmung liegt vielleicht an der überzogenen Erwartungshaltung vor der Reform. Wer alles will und nur etwas bekommt, fühlt sich zwangsläufig als Verlierer.
Im Vergleich zu früheren Reformen sind die Hausärzte nachweisbar ein gutes Stück vorangekommen. Ob es mehr hätte sein können, ist eine offene Frage, die eng mit der Strategie des Hausärzteverbandes verbunden ist. Es mehren sich die Stimmen, die eine zu starke Bindung an die SPD beklagen. Ebenso regen sich Zweifel, ob der bedingungslose Konfrontationskurs gegenüber den ärztlichen Körperschaften und anderen ärztlichen Interessenvertretungen richtig war.
Die Diskussion darüber hat in Travemünde begonnen. Es wäre hilfreich, wenn der Deutsche Hausärzteverband jetzt sein „Freund-Feind-Bild“ überdenken würde. Hilfreich für die Hausärzte und hilfreich für die gesamte Ärzteschaft. Josef Maus
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