ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2003T-Zell-Immunität: Bisheriges Dogma widerlegt

AKTUELL: Akut

T-Zell-Immunität: Bisheriges Dogma widerlegt

Dtsch Arztebl 2003; 100(39): A-2473 / B-2065 / C-1945

EB

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Nach bisheriger Lehrmeinung „erlernen“ die T-Lymphozyten ihre Fähigkeit zur spezifischen Immunabwehr in Lymphknoten und Milz. Ein interdisziplinäres Team um Professor Volker Schirrmacher vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg stellt dieses Dogma der Immunologie jetzt infrage. In der Zeitschrift „Nature Medicine“ (2003; vol. 9: 1151– 1157) weisen die Wissenschaftler erstmals nach, dass die primäre T-Zell-Antwort auf im Blut zirkulierende Antigene ganz wesentlich im Knochenmark geprägt wird. Die T-Lymphozyten können Tumorzellen, fremde Zellen oder virusinfizierte Zellen gezielt abtöten. Zuvor müssen sie ihren Gegner aber erst einmal kennen gelernt haben. Dieses Erkennen und Einprägen (Priming) erfolgt durch Kontakt mit den individuellen Oberflächenantigenen der Zielzellen, die den T-Lymphozyten über dendritische Zellen präsentiert werden. Erst danach entwickeln sich naive T-Zellen zu aktiven Killerzellen (zytotoxische Zellen) oder Gedächtniszellen. Bisher gingen die Immunologen davon aus, dass das Knochenmark der Ursprungsort der T-Lymphozyten ist, nicht aber der Ort der immunologischen Prägung.

Diese Sichtweise widerlegen die DKFZ-Wissenschaftler mithilfe von Untersuchungen an Mäusen. Ihre Ergebnisse lassen sogar vermuten, dass das Knochenmark der Hauptort für die Ausbildung der primären T-Zell-Antwort gegen im Blut zirkulierende Antigene ist. „Möglicherweise sind die Lymphknoten eher für die lokale Krankheitsabwehr von Bedeutung, während das Knochenmark aufgrund seines extrem hohen Lymphozyten-Durchsatzes die Immunkontrolle von Krankheiten im ganzen Körper gewährleisten kann“, erklärt Schirrmacher.

Bei splenektomierten und lymphadenektomierten Mäusen konnte allein über das Knochenmark eine wirksame und lang anhaltende systemische T-Zell-Immunität gegen bestimmte Tumoren induziert werden. Im Knochenmark dieser Mäuse fanden die Forscher auch das Korrelat der vermuteten T-Zell-„Schule“: Zellansammlungen, in denen dendritische Zellen offenbar den naiven T-Lymphozyten die Antigene präsentieren. „Diese Erkenntnisse bieten einen neuen Ansatzpunkt für die Bekämpfung von Krebserkrankungen“, so die Forscher. EB
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema