ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2003Fortbildung: Pflicht für Vertragsärzte (Folge 5)

POLITIK

Fortbildung: Pflicht für Vertragsärzte (Folge 5)

Dtsch Arztebl 2003; 100(39): A-2478

Gerst, Thomas

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Honorarkürzungen und Entzug der Zulassung drohen demnächst Ärzten, die innerhalb von fünf Jahren keinen Nachweis über ihre Fortbildung erbringen können.

Akzeptabel seien die Regelungen, die im GKV-Modernisierungsgesetz zur ärztlichen Fortbildung getroffen worden sind – so die Einschätzung von Bundes­ärzte­kammer-Präsident Prof. Dr. med. Jörg-Dietrich Hoppe. Betrachtet man die Genese des nunmehr in den Bundestag eingebrachten Gesetzentwurfs, wird diese Einschätzung verständlich. Denn den Vertragsärzten drohte größeres Ungemach – wurde doch noch in einem Arbeitsentwurf vom August der Gemeinsame Bundes­aus­schuss als dasjenige Gremium benannt, das für die Vertragsärzte in Richtlinien den Inhalt und zeitlichen Umfang der Fortbildung festzulegen hatte. Den Spitzenverbänden der Krankenkassen und der Deutschen Krankenhausgesellschaft wäre somit ein Mitwirkungsrecht an einer der originären Aufgaben ärztlicher Selbstverwaltung zugefallen; für die Bundes­ärzte­kammer war lediglich ein Anhörungsrecht vorgesehen. Vor dem Hintergrund, dass die Fortbildungsverpflichtung eines der Essentials der rot-grünen Verhandlungsführer in den Konsensgesprächen zur Gesundheitsreform war, muss der Wegfall des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses als Richtliniengeber für die vertragsärztliche Fortbildung im aktuellen Gesetzentwurf schon als Erfolg ärztlicher Berufspolitik angesehen werden. Nunmehr soll es Aufgabe der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) sein, im Einvernehmen mit der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) den angemessenen Umfang der im Fünfjahreszeitraum notwendigen Fortbildung zu regeln. Die Umsetzung der zu erwartenden gesetzlichen Vorgaben ist allerdings noch mit einigen Unwägbarkeiten verbunden. Vorgesehen ist laut § 95d (2), dass der Nachweis über die Fortbildung der Vertragsärzte mit den Fortbildungszertifikaten der Ärztekammern erbracht werden kann. Zwingend erforderlich erscheint nun, dass der vom Deutschen Ärztetag im Mai gefasste Beschluss über einheitliche Bewertungskriterien für die zertifizierte Fortbildung so rasch wie möglich bundesweit in die Fortbildungsordnungen aller Lan­des­ärz­te­kam­mern übernommen wird. Abstimmungsbedarf besteht auch darüber, wie die schon heute von Vertragsärzten im Zuge der Qualitätssicherung zu erbringenden Zusatzqualifikationen bei der Zertifizierung durch die Ärztekammer berücksichtigt werden. Die Frage soll in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe von BÄK und KBV angegangen werden.
Ungeahnte Sprengwirkung auf die künftige Organisation ärztlicher Fortbildung könnte eine Vorschrift in § 95d (1) des Gesetzentwurfs entfalten. Die Fortbildungsinhalte müssen frei von wirtschaftlichen Interessen sein, heißt es dort lapidar. Eine rigide Auslegung könnte das Aus für pharmagesponserte Fortbildung jeglicher Art bedeuten, würde doch der Arzt mit einer Teilnahme daran seiner Fortbildungspflicht nicht genügen. Um künftig die Fortbildungskosten für die Ärzte gering zu halten, plädiert der KBV-Vorsitzende Dr. med. Manfred Richter-Reichhelm für einen „Fortbildungspool“, in den die Pharmahersteller einzahlen, um daraus die Durchführung produktunabhängiger Fortbildungsmaßnahmen zu gewährleisten.
Ob die vertragsärztliche Selbstverwaltung durch die ihr vom Gesetzgeber zugeschobene neue Ordnungsfunktion Schaden nehmen wird, bleibt abzuwarten. Zu befürchten ist jedoch, dass viele niedergelassene Ärzte in ihrer Kassenärztlichen Vereinigung bald nur noch den verlängerten Arm staatlicher Bürokratie sehen werden. Thomas Gerst


Was bringt die Reform?
Die am 1. Januar in Kraft tretende Gesundheitsreform sieht insbesondere für Versicherte, aber auch für Ärzte erhebliche Neuregelungen vor. Das Deutsche Ärzteblatt stellt ausgewählte Schwerpunkte des Reformwerks vor und beleuchtet deren Bedeutung für die Patientenversorgung.
Zu den wesentlichen Neuerungen zählt die Verpflichtung der Vertragsärzte zur fachlichen Fortbildung (SGB V-E § 95d):
- Der Vertragsarzt ist verpflichtet, sich in dem Umfang fachlich fortzubilden, wie es zur Erhaltung und Fortentwicklung der zu seiner Berufsausübung in der vertragsärztlichen Versorgung erforderlichen Fachkenntnisse notwendig ist.
- Die Fortbildungsinhalte müssen dem aktuellen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse entsprechen und frei von wirtschaftlichen Interessen sein.
- Der Fortbildungsnachweis kann durch Fortbildungszertifikate der Ärztekammern erbracht werden.
- Alle fünf Jahre muss der Vertragsarzt gegenüber der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) den Nachweis erbringen, dass er seiner Fortbildungsverpflichtung nachgekommen ist. Wird dieser Nachweis nicht erbracht, erfolgt zunächst eine Honorarkürzung; fehlt der Nachweis auch noch zwei Jahre nach Ablauf der Fünfjahresfrist, soll die KV gegenüber dem Zulassungsausschuss unverzüglich einen Antrag auf Entziehung der Zulassung stellen.
- Die Pflicht zur fachlichen Fortbildung gilt auch für angestellte Ärzte eines medizinischen Versorgungszentrums oder eines Vertragsarztes.
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