ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2003Patientenverfügung: Gegen Verrechtlichung
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LNSLNS Die klassische Arzt-PatientenBeziehung erfordert die Öffnung des Patienten, um den Behandler in die Verantwortung zu nehmen. Dies ist die einzige humane Behandlung, da sie auf gegenseitiger Kommunikation beruht, die die Autonomie beider Seiten als komplementäres Gut achtet. Die Hilfsbedürftigkeit der Sterbenden bis hin zur Hilflosigkeit verschiebt den Schwerpunkt der Beziehung zum Schluss völlig zum Arzt. Dieser Situation gerecht zu werden erfordert die reife verantwortungsbewusste Persönlichkeit, um die Würde auch im Sterben zu gestalten. Jede Art von Verfügung schädigt diesen Prozess. Wohl aber kann es sinnvoll sein, den letzten Willen des Patienten zu kennen. Das ermöglicht den verantwortlichen Umgang hiermit. Welche Antwort verantwortliches Handeln auf Hilflosigkeit gibt, charakterisiert den Menschen. Die Fähigkeit, sich hier bewusst zuzuwenden, ist ein hohes humanistisches Gut. Würdige Behandlung ohne Zuwendung ist nicht möglich. Eine vorgeschriebene Handlung (gleich Verfügung) verhindert eine solche, da Zuwendung sich der Verfügbarkeit eindeutig entzieht.
Daher gibt es auch kein Selbstbestimmungrecht, das diese erzwingen kann. Verfügungen sind Inanspruchnahme anderer und keine Antwort. Letztlich fordern sie auf zu kommunikationslosem und damit inhumanem Handeln.
Dr. med. Gerhard Rinn, Praxisklink Mümmelmannsberg,
Oskar-Schlemmer-Straße 15, 22115 Hamburg
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