ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2003Chemotherapeutische Möglichkeiten bei metastasiertem kolorektalen Karzinom: Näher definieren

MEDIZIN: Diskussion

Chemotherapeutische Möglichkeiten bei metastasiertem kolorektalen Karzinom: Näher definieren

Dtsch Arztebl 2003; 100(39): A-2523 / B-2106 / C-1983

Wein, Axel; Hahn, Eckhart Georg; Hohenberger, Werner

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LNSLNS Die Übersichtsarbeit „Chemotherapeutische Möglichkeiten bei metastasiertem kolorektalen Karzinom“ von U. Vanhoefer und C.-H. Köhne stellt die derzeitige medikamentöse Therapie umfassend und kompetent dar. Es sind jedoch einige wichtige Anmerkungen notwendig. Die Autoren sollten unserer Meinung nach die Patienten, bei denen die Chemotherapie angewendet werden soll, näher definieren. Essenziell ist es, eine Unterscheidung zwischen primär resektablen (kurativ) und nichtresektablen (palliativ) Fernmetastasen des kolorektalen Karzinoms (CRC) zu treffen. Eine kurative Fernmetastasenresektion (R0) (immerhin bei etwa 4 000 Patienten in Deutschland pro Jahr möglich) führt zu 5-Jahresüberlebensraten von 28 bis 38 Prozent (1). Bei diesen Patienten sollten die Ausführungen nach Meinung der Autoren derzeit keine Anwendung finden. Multimodale Vorgehensweisen werden hier derzeit erst in Studien überprüft. (3). Ein Vorschlag zur Definition von primär nichtresektablen Fernmetastasen (palliativ) eines CRC kann dem Literaturverzeichnis (4) entnommen werden.
In Grafik 2 des Übersichtsartikels wird vorgeschlagen, dass Patienten mit „potenziell sekundärer Metastasektomie“ die Kombinationschemotherapie 5-FU/Folinsäure/Oxaliplatin oder 5-FU/Folinsäure/Irinotecan erhalten sollten. Es wird dem Leser aber vorenthalten, welche Kriterien vorliegen müssen, damit eine potenzielle sekundäre Metastasektomie wahrscheinlich wird. Solche Kriterien liegen unserer Meinung nach derzeit evidenzbasiert nicht vor und müssen erst in prospektiven Phase-III-Studien erarbeitet werden, um festzustellen, ob eine sekundäre Metastasenresektion tatsächlich häufiger zum Beispiel mit einem Kombinationsregime erreicht werden kann (2). Bis dahin gilt die von den Autoren gemachte Feststellung, dass jeder Patient mit einer eindrucksvollen Remission unter palliativer Therapie unabhängig vom eingesetzten Regime wegen einer möglichen sekundären Metastasenresektion einem chirurgischen Spezialisten vorgestellt werden sollte. Durch diese interdisziplinäre Vorgehensweise können etwa 10 bis 15 Prozent der ehemals palliativen Patienten (etwa 2 500 Patienten in Deutschland pro Jahr) erneut kurativ reseziert werden (4).

Literatur
1. Ott R, Wein A, Hohenberger W: Lebermetastasen – primäre oder multimodale Therapie? Chirurg 2001; 72: 887–897.
2. Studienprotokoll (4/2000, FAU Erlangen): „Prospektive Phase-III-Studie einer palliativen Erstbehandlung mit 5-Fluorouracil/Natriumfolinat als 24-h-Infusion mit oder ohne Oxaliplatin beim metastasierten kolorektalen Karzinom mit nachfolgender sekundärer Metastasenresektion.“
3. Wein A, Riedel C, Brückl W, et al.: Neoadjuvant treatment with weekly high-dose 5-fluorouracil as 24-h infusion, folinic acid and oxaliplatin in patients with primary resectable liver metastases of colorectal cancer. Oncology 2003; 64: 131–138.
4. Wein A, Riedel C, Köckerling F, et al.: Impact of surgery on survival in palliative patients with metastatic colorectal cancer after first line treatment with weekly 24-hour infusion of high-dose 5-fluorouracil and folinic acid. Ann Oncol 2001; 12: 1721–1727.

Priv.-Doz. Dr. med Axel Wein
Prof. Dr. med. Eckhart Georg Hahn
Prof. Dr. med. Werner Hohenberger
Interdisziplinäres Tumorboard
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Krankenhausstraße 12
91054 Erlangen

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