ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2003Diabetes mellitus Typ 2: Multifaktorielle Therapie soll GAU verhindern

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Diabetes mellitus Typ 2: Multifaktorielle Therapie soll GAU verhindern

Dtsch Arztebl 2003; 100(39): A-2532

Blaeser-Kiel, Gabriele

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LNSLNS Eine dänische Studie belegt den Erfolg
eines konsequent leitliniengerechten Vorgehens.

Ein Diabetiker stirbt nicht an der Störung seines Blutzuckerstoffwechsels, sondern am Myokardinfarkt, Schlaganfall oder Nierenversagen. Das expotenziell erhöhte Risiko für lebensbedrohliche makro- und mikrovaskuläre Komplikationen ist die Konsequenz des „metabolischen Super-GAUs“, wie Prof. Stephan Martin (Düsseldorf) das Zusammentreffen von Hyperglykämie mit Hypertonie und Dyslipidämie bezeichnete.
Als wesentliche Ursache ist neben der in einigen Fällen vorliegenden genetischen Disposition die „moderne“ Lebensführung mit zu Übergewicht führender Ernährung, Bewegungsmangel und Rauchen anzusehen. Dementsprechend bedarf es eines multifaktoriellen Therapieansatzes, der nicht allein auf die optimale Blutzuckereinstellung, sondern mit gleicher Intensität auf Risikofaktoren und Komorbidität fokussiert.
Die Realität sieht jedoch anders aus, wie erste Basisdaten des zurzeit mit Unterstützung der Firma MSD aufgebauten DUTY-Registers erkennen lassen. Das Akronym steht für „Diabetes Mellitus Needs Unrestricted Evaluation of Patient Data to Yield Treatment Progress“. Eingeschlossen werden in Hausarztpraxen betreute – also bereits diagnostizierte – Typ-2-Diabetiker.
Bei den bisher 37 456 komplett erfassten Patienten lag der HbA1c-Wert nur in 45 Prozent der Fälle im Sollbereich von unter sieben Prozent. Noch seltener wurden die Vorgaben der Leitlinien beim Blutdruck (unter 130/80 mm Hg) und beim LDL-Cholesterin (unter 100 mg/dl) erfüllt – nämlich nur in neun Prozent beziehungsweise 15 Prozent der Fälle. Inwieweit Hilfestellung bei der Dokumentation und der individuellen Risikoabschätzung zu einer Verbesserung der Situation führt, wird die erneute Evaluation nach neun Monaten zeigen.
Wie erfolgreich ein multifaktorieller Therapieansatz sein kann, belegen die Ergebnisse der in Dänemark abgeschlossenen STENO*-II-Studie. Je 80 Patienten mit Typ-2-Diabetes und Mikroalbuminurie waren randomisiert entweder einer intensivierten, risiko- beziehungsweise zielwertorientierten Intervention oder dem konventionellen Management zugeordnet worden.
Inzidenz der Komplikationen wurde halbiert
Durch das konsequent leitliniengerechte Vorgehen habe innerhalb der durchschnittlich achtjährigen Beobachtungsphase das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse wie Tod und Myokardinfarkt oder revaskularisierende Eingriffe etwa halbiert werden können, berichtete Prof. Wilhelm Krone (Universitätsklinik Köln). Ebenfalls um etwa 50 Prozent niedriger als in der Kontrollgruppe sei die Inzidenz von Nephropathie, Retinopathie oder autonomer Neuropathie gewesen. Dieser multifaktorielle Therapieansatz ist nach Aussage von Dr. Donald Black (Princeton/USA) nicht nur nach Manifestation eines Typ-2-Diabetes indiziert, sondern bereits im prädiabetischen Stadium beziehungsweise bei Patienten, die trotz aller Charakteristika eines metabolischen Syndroms inklusive Insulinresistenz und Hyperinsulinämie niemals erhöhte Blutzuckerwerte aufweisen.
In der MSD-Forschung arbeite man an einem neuen Wirkstoff, der auf Zellkernebene eingreife. Zum pharmakodynamischen Prinzip verriet Black nur, dass es sich um ein Thiazolidindion handele, das aber nicht – wie die bisher verfügbaren Vertreter dieser Klasse – nur an den Subtyp gamma der Peroxisomen-Proliferator aktivierten Rezeptoren binde, sondern auch an den Subtyp alpha und damit ein breiteres Spektrum an Pathomechanismen abdecke. Gabriele Blaeser-Kiel

31. MSD Diskussion „Diabetes mellitus – Standortbestimmung und Zukunft“ in Wiesbaden
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