ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2003zu Aktien: Ahnungslose Börse

VARIA: Schlusspunkt

zu Aktien: Ahnungslose Börse

Dtsch Arztebl 2003; 100(39): [72]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Es gibt in der Finanzwissenschaft den allseits anerkannten Begriff des „effizienten Marktes“. Damit ist gemeint, dass der (jetzige) Kurs einer Aktie alle verfügbaren Informationen über das Unternehmen enthält. Also alles Wissen um die Aktie, auch die Erwartungen über die nahe und mittlere Zukunft, „weiß“ die Börse.
Obwohl nahezu alle Prognosemodelle diese Kapitalmarkteffizienz als gegeben annehmen und ceteris paribus damit rechnen, ist doch die Realität oft genug so hinterhältig, sich keinen Deut um die reine Lehre zu scheren. Die Börsen übertreiben oft genug nach oben und
nach unten, mit Ausschlägen gar, dass einem so richtig
der Angstschweiß ausbrechen kann oder unversehens der Reichtum über einen hereinbricht.
Bayer ist ein wunderschönes Exempel für die Ineffizienz des Marktes. Im Frühjahr lag die Notiz des Chemie- und Pharmariesen noch unter zehn
Euro, der Meinungs-Konsensus wähnte die Leverkusener in einer die Existenz bedrohenden Lage, Stichwort Lipobay/Baycol. Stimmte im Grunde aber gar nicht. Wer sich damals die Mühe machte, die (befürchtete) Schadenshöhe einigermaßen plausibel nachzurechnen, kam auf einen Kurs nahe der 20- Euro-Marke (siehe auch Deutsches Ärzteblatt, Heft 11/2003).
Heute, gerade mal ein halbes Jahr ist ins Land gegangen, staunen die Markbeobachter, der Bayer-Kurs schwenkt nämlich genau auf diese Marke ein, was im Ergebnis eine prächtige Verdoppelung des Aktienwertes bedeutet. Effizienter Markt? Gewiss nicht. Soeben trudelt auch die Meldung über die Ticker, ein US-Bundesgericht habe es abgelehnt, Sammelklagen im Baycol-Rechtsstreit zuzulassen.
Mit Spannung erwarte ich, wie der Markt diese wichtige Information „verarbeitet“. Vermutlich ist die Angst immer noch sehr hoch, die Schadensersatzsummen seien nach wie vor horrend und könnten die Grenze von zehn Milliarden Dollar locker überspringen. Nach meiner Ein-
schätzung jedoch hat der Bayer-Kurs jetzt Luft bis 30 Euro.
Es gibt nach meiner Beobachtung noch jede Menge Beispiele für falsch gepolte Marktmeinungen. Als weiterer Beleg mag hier die Aktie von Gesco (WKN 587590) Märkt dienen. Das Wuppertaler Mittelstands-Management-Unternehmen kostete an der Börse Anfang September keine zehn Euro. Für diese eklatante Unterbewertung gibt es meines Erachtens nicht den geringsten Anlass. Hoffentlich.
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