VARIA: Post scriptum

Vom Himmel herab

Dtsch Arztebl 2003; 100(39): [72]

Pfleger, Helmut

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Den stärksten Auftrieb erhielt aber das Spiel der Nürnberger durch den Postentausch zwischen dem Mittelstürmer Rothmund und dem Verteidiger Faulhaber. Der stämmige Faulhaber zeigte sich nicht nur nützlicher als sein Platzhalter, sondern gab der Fünferreihe neue Impulse . . . Ein Zusammenspiel Spieß – Schwab führte zu einer Flanke, die Faulhaber noch mit dem Kopf erreichte und zum Führungstreffer verwandelte . . . Beim zweiten Treffer leistete Faulhaber mit
einer famosen Flanke die Vorarbeit . . . So berichtete die Nürnberger Zeitung am 17. 4. 1938 über einen Kantersieg des 1. FC Nürnberg. Das ist mehr als 65 Jahre her. Und der Chronist, der beim Dorfverein DJK Elsendorf in der AH-Mannschaft sein Gnadenbrot isst, stellt mit insgeheimer Befriedigung fest, in einer schönen Tradition von Linksverteidigern wie Rudolf Faulhaber und Otto Schily zu stehen.
Vor zwei Jahren hatte Dr. med. Rudolf Faulhaber beim Ärzteturnier noch versprochen: „Und wenn mich der Herrgott nicht auf den Friedhof holt, bin ich nächstes Jahr wieder dabei!“ Nun hat ihn der Herrgott am 6. Juli im Alter von fast 92 Jahren geholt. Der Geist war bis zuletzt willig und wach, erfreute sich auch noch am Schach, aber das Fleisch war im letzten Jahr zunehmend schwächer geworden. Das Deutsche Ärzteturnier verliert in ihm einen originellen und liebenswürdigen Mitstreiter der ersten Stunde, der von seinem geliebten Schach selbst während der Turnierpausen nicht genug bekommen konnte und abends die Kollegen mit Geige und Klavier erfreute. Nie mehr werden wir von ihm hören: „Mein Gegner hat unvorsichtig f7–f5 gespielt, da bin ich mit einem Doppelschach rein – schon war’s matt!“
Ich möchte mir aber vorstellen, wie er vom Himmel mit Vergnügen auf die nächsten Ärzteturniere herabblickt, vielleicht im Verein mit dem viel zu früh verstorbenen Dr. med. Modjtaba Abtahi und dem größten Schachspieler unter den Ärzten, dem ebenfalls aus Nürnberg stammenden Dr. med. Siegbert Tarrasch. In memoriam Dr. Faulhaber eine der schönsten Kombinationen von Tarrasch. Bei seinem WM-Kampf 1908 gegen den Weltmeister Emanuel Lasker drohte dieser als Weißer Matt auf f6 oder f8, doch Tarrasch kam ihm zuvor und wendete die Partie mit einem zwangsläufigen Damengewinn zu seinen Gunsten. Wie?

Lösung:
Tarrasch zog 1. . . . g5+! und gab dazu den stolzen Kommentar: „Eine schöne Doppelwendung im Stile der modernen Studienkomponisten; schlägt der König den Springer, so gibt die Dame auf c3 ein ganz reines Matt.“ Lasker schlug also mit 2. Kxg5 den Bauern, doch nach der Springergabel 2. . . . Sf7+ war die Dame verloren – 3. Lxf7 Dxd6. – Eigenartigerweise war die Stellung sogar doppellösig: Auch 1. . . . Df3+! gewinnt die Dame nach 2. Kxe5 (2. Kg5 h6+ führt gar zum Matt) Dg3+, weil nun 3. Sf4 ebenfalls zum wunderschönen „reinen“ Matt durch 3. . . . Dc3 führt.
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