ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2003Bonuszahlungen: Teure Wahlfreiheiten

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Bonuszahlungen: Teure Wahlfreiheiten

Maus, Josef

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LNSLNS Das GKV-Modernisierungsgesetz hat den Bundestag passiert – mit den Stimmen der Unionsfraktion, aber auch mit einer knappen eigenen Mehrheit der rot-grünen Bundesregierung (dazu „Reform beschlossen“ in diesem Heft). Während sich die Politiker der beteiligten Parteien zufrieden über den Konsens zeigten, machte der Präsident der Bundesärztekammer, Prof. Dr. med. Jörg-Dietrich Hoppe, auf einen kleinen Schönheitsfehler der Reform aufmerksam. Es bedürfe weiterer Anstrengungen, um die strukturelle Einnahmeschwäche der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) dauerhaft zu beheben.
Auch die Krankenkassen treibt die Sorge um, dass die mühsam geborene Reform die finanzielle Not der GKV nicht nachhaltig beheben wird. Selbst Regelungen, die dem Wettbewerb dienen, bergen für die Kassen finanzielle Risiken. So begrüßt der Bundesverband der Betriebskrankenkassen zwar die neuen Wahloptionen für die Versicherten, bezweifelt aber zugleich, ob sich diese Maßnahmen
mit kurzfristigen Einsparungen auszahlen werden.
Die Kassen können Bonuszahlungen in ihren Satzungen vorsehen: für freiwillig Versicherte bei Nicht-inanspruchnahme von Leistungen und für Versicherte, die an besonderen Versorgungsformen teilnehmen – etwa dem Hausarztmodell oder der integrierten Versorgung.
Da das Gesetz diese Optionen vorsieht, werden die Krankenkassen im Wettbewerb gezwungen sein, sie auch anzubieten. Von der Prävention weiß man allerdings, dass Einsparungen erst nach längerer Zeit
zu erwarten sind. Zusätzliche Leistungsaufwendungen und Bonuszahlungen fallen jedoch sofort an.
Die Krankenkassen werden spitz rechnen und schwierige Abgrenzungen vornehmen müssen. Wie hoch soll die Beitragsermäßigung für Versicherte ausfallen, die sich für ein Hausarztmodell entscheiden? Wie hoch für diejenigen, die als chronisch Kranke ein Disease-Management-Programm wählen? Wie viel bleibt da noch für die integrierte Versorgung?
Es ist wahrscheinlich, dass die Wahlfreiheiten der Versicherten die Einnahmen kurzfristig weiter sinken lassen, während die erhofften Einsparungen bei den Ausgaben noch auf sich warten lassen. Wie dem auch sei: Die Kassen haben keine Wahl, sie stehen mehr denn je im Wettbewerb. Josef Maus

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