ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2003Krebssterblichkeit: Große Unterschiede in Ost- und Westeuropa

AKTUELL: Akut

Krebssterblichkeit: Große Unterschiede in Ost- und Westeuropa

Dtsch Arztebl 2003; 100(40): A-2545 / B-2121 / C-1997

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Die Überlebenschancen von Krebspatienten sind in Europa sehr unterschiedlich. Dies zeigen die Ergebnisse der EUROCARE-3-Studie, die auf dem Europäischen Krebskongress in Kopenhagen vorgestellt wurden und die in den Annals of Oncology publiziert werden sollen. Obwohl Prof. Michel Coleman von der London School of Hygiene and Tropical Medicine ausdrücklich vor einer Rangliste warnte, gilt die Neugierde natürlich dem Vergleich von Deutschland zu den übrigen 22 Ländern der Studie. Um es kurz zu machen: Die 5-Jahres-Überlebensraten der wichtigsten Karzinome (Prostata, Mamma, Melanom, Kolon) liegen hierzulande alle über dem europäischen Durchschnitt. Bei den Frauen nimmt Deutschland hinter Österreich und Frankreich eine Spitzenposition ein. Bei den Männern liegt es im Mittelfeld. Allerdings sind die Unterschiede zu Österreich und Frankreich auch hier sehr gering.

Auffällig ist die schlechte Prognose in den osteuropäischen Ländern; Polen bildet hier das Schlusslicht. Die 5-Jahres-Überlebensrate beim Prostatakarzinom beträgt nur 38,6 Prozent (Europadurchschnitt 65,4 Prozent, Österreich 83,6 Prozent). In Westeuropa sind die Ergebnisse in Dänemark, England, Schottland, Wales, Malta und Portugal am schlechtesten. Bei Männern schwanken die 5-Jahres-Überlebensraten aller Tumoren zwischen 25 und 32 Prozent in Osteuropa und zwischen 40 und 47 Prozent in den meisten nordischen und westeuropäischen Ländern. Nur Großbritannien und Dänemark liegen unter dem europäischen Mittel von 38 Prozent. Bei Frauen schwanken die 5-Jahres-Überlebensraten zwischen 41 und 47 Prozent in Osteuropa und zwischen 55 und 58 Prozent in den meisten nordischen und westeuropäischen Ländern. Nur Großbritannien und Dänemark liegen mit 47 bis 51 Prozent unter dem Durchschnitt. Überdurchschnittlich gut waren die Ergebnisse in Großbritannien und Dänemark beim Melanom, bei Hodenkrebs und beim Morbus Hodgkin.

Die Unterschiede zwischen West- und Osteuropa haben sich seit Mitte der 1980er-Jahre noch vergrößert. Besonders deutlich wird dies beim Mammakarzinom. Hier sind die Überlebenschancen in Westeuropa gestiegen, in Osteuropa stagnieren sie dagegen. Auch beim Kolonkrebs gibt es ein sich verstärkendes Ost-West-Gefälle. Beim Prostatakrebs holen einige osteuropäische Länder wie Estland auf, während Polen zurückfällt. Rüdiger Meyer
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