ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2003Praxisgebühr: Verhandlungen mit den Kassen

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Praxisgebühr: Verhandlungen mit den Kassen

Dtsch Arztebl 2003; 100(40): A-2546

Rieser, Sabine

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Protestplakat des Hartmannbundes: 5 000 Mal nachgefragt
Protestplakat des Hartmannbundes: 5 000 Mal nachgefragt
Selbstverwaltung soll Verfahren regeln.
Einzelheiten zum Einzug der Praxisgebühr soll die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) mit den Spitzenverbänden der Krankenkassen im Rahmen der Bundesmantelverträge regeln. Das sieht eine Ergänzung des GKV-Modernisierungsgesetzes vor. Sie wurde kurz vor der abschließenden Lesung am 26. September im Bundestag aufgenommen. Die Ergänzung hatte die KBV zuvor in einer Anhörung im Bundestag gefordert.
Damit ist der Einzug der Praxisgebühr bei den Ärzten vor Ort gleichwohl beschlossene Sache. Die Ergänzung erleichtert es der KBV allerdings, das Verfahren und Sonderfälle mit den Kassen zu regeln. KBV-Hauptgeschäftsführer Dr. jur. Rainer Hess gab bei der Anhörung Beispiele für unbeantwortete Fragen: Ist eine Praxisvertretung als Überweisungsfall oder als Direktinanspruchnahme zu werten? Was passiert, wenn ein Arzt die zehn Euro nicht bekommt? „Wenn die Versicherten nicht zahlen, ist eine Mitwirkungspflicht der Kassen das Mindeste, was wir einfordern“, betonte Hess.
Eine Arbeitsgruppe der KBV soll jetzt Vorschläge entwickeln, um den Einzug der Praxisgebühr möglichst einfach zu regeln. Viele Ärzte sind dennoch erbost über die Neuregelung. Das schließt
der Hartmannbund aus der Nachfrage nach Plakaten gegen die Praxisgebühr. „Unsere Zeit gehört den Patienten. Ärzte sind keine Geldeintreiber für die Krankenkassen“ – diese Botschaft wurde innerhalb von zwei Wochen bereits mehr als 5 000 Mal abgerufen. Die Nachfrage hält unvermindert an, so der Pressesprecher.
Besorgt hat sich der Berufsverband der Arzt-, Zahnarzt- und Tierarzthelferinnen geäußert. „Unseren Erfahrungen zufolge wird der Personalaufwand für das Kassieren, Abrechnen und Weiterleiten der Praxisgebühr je Quartal und Patient circa zehn Minuten betragen“, rechnete Präsidentin Sabine Rothe vor. Bei durchschnittlichen Lohnkosten von 0,20 Euro pro Minute entstünden so Mehrkosten von rund zwei Euro pro Patient. Rothe schlug vor, drei von zehn Euro für Personal- und Sachkosten in der Arztpraxis zu belassen.
Keinen Beifall findet die Praxisgebühr auch bei der Bundes­psycho­therapeuten­kammer. Präsident Detlev Kommer kritisierte, die Psychotherapeuten seien doppelt betroffen. Erstens müssten ihre Patienten relativ viel an Praxisgebühren bezahlen, da eine Behandlung im Durchschnitt eineinhalb Jahre dauere. Zweitens könnten Psychotherapeuten erkrankten Patienten die Zahlung weiterer zehn Euro pro Quartal nicht durch eine Überweisung ersparen. Dazu sind sie nicht befugt. Kommer hätte es begrüßt, wenn nur beim Erstkontakt zehn Euro fällig werden, dann aber für die Dauer der gesamten genehmigten Therapie keine Praxisgebühr mehr. Rie
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