ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSPraxis Computer 4/2003Präventiv-Koloskopie: Internet-basierte Dokumentation

Supplement: Praxis Computer

Präventiv-Koloskopie: Internet-basierte Dokumentation

Dtsch Arztebl 2003; 100(40): [2]

Bock, Herbert; Tacke, Wolfgang

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Ergebnisse eines Projekts des Qualitätszirkels Gastroenterologie Hessen belegen die Vorteile der Online-gegenüber der papiergestützten Dokumentation.
Qualitätssicherung ist ein wesentliches Element des Gesundheitssystems. Bei den Vertragsverhandlungen zur Präventiv-Koloskopie (Dickdarmkrebsfrüherkennung) spielte deshalb die Dokumentation der Ergebnisse eine zentrale Rolle. Man entschied sich hierbei für eine Papierdokumentation. Die ersten, völlig unzureichenden Ergebnisse liegen jetzt vor und zwingen zu einem Wechsel der methodischen Aufarbeitung.
Alternativ bietet sich die Dokumentation auf Diskette oder ein Internet-gestütztes Verfahren an. Letzteres fordert auf Anwenderseite (bei den Ärzten) lediglich einen ISDN/TDSL-Anschluss, einen durchschnittlich ausgestatteten PC und einen Internet-Zugang. Typische Hard-, Software- und Serviceprobleme entfallen weitgehend, denn sie liegen aufseiten des Servers und werden durch einen spezialisierten und in diesem Bereich erfahrenen Anbieter gewährleistet.
Die Mitglieder des „Qualitätszirkels Gastroenterologie Hessen“ (QGH) – circa 60 Ärztinnen und Ärzte – wenden dieses Verfahren seit 1999 an. In Strukturverträgen mit den Hessischen Krankenkassen und in einem Hepatitis-Register des „Hep-Net-Südwest“ wurden rund 40 000 Befunde online zum Zwecke der Qualitätssicherung bearbeitet. Die Online-Dokumentation erwies sich aufseiten der Ärzte als praktikabel, leicht erlernbar und im Zusammenführen von großen Datenmengen als schnell und „elegant“. Das System ermöglicht tägliche Analysen und Bewertungen.
Die guten Erfahrungen mit der Internet-basierten Dokumentation veranlasste den QGH, parallel zur vertraglich geforderten Papierdokumentation der Dickdarmkrebsfrüherkennung ein selbstfinanziertes Pilotprojekt im Online-Verfahren zu starten. Die Entscheidung wurde durch die Tatsache begünstigt, dass derzeit circa 85 Prozent aller ausgefüllten Bögen unvollständig dokumentiert und damit ohne zusätzliche Rückfragen nicht abrechenbar sind. Eine im Rahmen einer Promotionsarbeit durchgeführte Untersuchung von 700 handausgefüllten Papierbögen zur präventiven Koloskopie ergab, dass die Erfassungsbögen durchschnittlich 2,2 Fehler je Seite enthielten und 73 Prozent der Bögen unzureichend ausgefüllt waren.
Darstellung der Erfassungsmaske
Darstellung der Erfassungsmaske
Methodik
Grundlage der Internet-gestützten Datenerfassung für die Früherkennungskoloskopie ist der Originalbogen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Sämtliche Felder des Bogens wurden komplett in den Online-Bogen integriert. Kernstück sind die Plausibilitätsprüfungen, die eine Eingabe sofort hinsichtlich Vollständigkeit und Konsistenz kontrollieren. Diese berücksichtigen exakt die Ausfüllrichtlinien der KBV. Eine Erweiterung des Bogens, zum Beispiel um wissenschaftliche Fragestellungen, lässt sich jederzeit durchführen.
Die Daten werden hier server- und clientseitig geprüft und in einer zentralen Datenbank abgelegt. Eine Auswertung, zum Beispiel für epidemiologische, ökonomische und honorarpolitische Fragestellungen, ist jederzeit möglich. Für den Datenschutz wurde ein mit dem Datenschutzbeauftragten abgestimmtes Modell unter Einbeziehung einer stufenweisen Pseudonymisierung eingesetzt.
Ergebnisse
Die Online-Erfassung ermöglicht eine direkte Gegenüberstellung von Ergebnissen als übergreifendes Benchmarking. Eine qualitätsorientierte Gegenüberstellung der Papier- zur Online-Methodik wird zurzeit innerhalb des Projekts durchgeführt.
In einem sehr kurzen Zeitraum von nur vier Wochen haben die teilnehmenden Arztpraxen unselektiert die Befunde von 717 Vorsorge-Koloskopien erhoben. In dieser Vorlaufphase beteiligten sich zunächst 14 Praxen. Die Zahl der je Praxis erhobenen Befunde lag zwischen zwölf und 173. Für die Dateneingabe benötigt man im Schnitt nur 50 Sekunden. Eine Warnmaske verhindert die unvollständige und unlogische Eingabe der Befunde und sichert somit eine komplette Datenerfassung in der ersten Bearbeitung. Das System ermöglicht den Anwendern über verschiedene Statistikoptionen jederzeit den Zugriff auf die Gesamtheit der eigenen Daten. Zu den erhobenen Befunden siehe den Kasten.
Fazit
Dokumentation, Vernetzung und Kommunikation in der Medizin scheitern oft an einer Vielzahl von Problemen. Hierzu zählen zum Beispiel fehlende Schnittstellen, nicht kompatible EDV-Systeme, Unvermögen der Anwender im Umgang mit IT-Technologie, Service und hohe Kosten. Das Online-Verfahren ist eine tragfähige, auch vom Unerfahrenen leicht erlernbare Alternative. Die Ergebnisse erfüllen sämtliche Erfordernisse einer hochwertigen und verlässlichen Methode. Das System kann in modifizierter Form auf andere Projekte übertragen werden, wie der QGH an einer Vielzahl von Untersuchungen mit unterschiedlicher Fragestellung nachgewiesen hat.
Im Rahmen des Projekts konnte in kurzer Zeit repräsentatives Zahlenmaterial zur Dickdarmkrebsfrüherkennung gewonnen werden. Die Zahlen belegen die Qualität des Online-Verfahrens und bestätigen Ergebnis- und Prozessqualität. Sie ermöglichen darüber hinaus schnelle und verlässliche Rückschlüsse auf Strukturen im Gesundheitswesen.
Der von der KBV vorgestellte Papierbogen bedarf allerdings einer baldigen Überarbeitung. Die Rubriken „Normalbefunde“ und „Sonstiges“ beispielsweise sind nicht eindeutig: Eine große Gruppe der Untersucher ordnet Divertikel in die Kategorie „Normalbefund“, eine kleinere in „Sonstiges“.
Herbert Bock, Wolfgang Tacke
Anschrift für die Verfasser: Dr. med. Herbert Bock, Gastroenterologische
Fachpraxis, Zeil 65, 60313 Frankfurt/M., Telefon: 0 69/28 51 67
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema