ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSSUPPLEMENT: Praxis Computer 4/2003EDV im Patient-Partner-Verbund: Medienmix bringt die Netzarbeit voran

SUPPLEMENT: Praxis Computer

EDV im Patient-Partner-Verbund: Medienmix bringt die Netzarbeit voran

Dtsch Arztebl 2003; 100(40): [8]

Schmid, Elmar

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LNSLNS Welche Probleme und Chancen die elektronische Kommunikation und der Datenaustausch in einem Ärzteverbund mit sich bringen, ist Thema des Erfahrungsberichts aus dem Patient-Partner-Ärzte-Verbund, München.
Seit April 2003 arbeitet der Patient-Partner-Ärzte-Verbund (PPÄV) auf der Grundlage einer vertraglichen Vereinbarung zwischen der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns und der BKK Landesverband Bayern im Raum München-Stadt und -Land. Rund 250 Haus- und Fachärzte allein in München und 15 Betriebskrankenkassen nehmen an dem Netzverbund teil (siehe www.patient-partner.de). Die elektronische Datenverarbeitung zählt innerhalb des Netzes zu einer der größten Herausforderungen. Der Verbund plant und entwickelt schon mehrere Jahre und hat dabei auch einige Irrwege hinter sich. Dennoch liegt in der EDV der Schlüssel zur einfacheren Arbeit, zur erkennbaren Qualität und zu wirtschaftlichem Handeln.
Die Website des Verbundes unter www.patient-partner.de
Die Website des Verbundes unter www.patient-partner.de

Der EDV-Einsatz im Rahmen eines Ärzteverbundes betrifft die Bereiche:
- Information,
- Kommunikation,
- Datenerfassung und -speicherung,
- Datentransfer,
- Controlling und Evaluation.
Information
Der Bereich Information ist komplex: Einerseits sollen Fachinformationen zum Nachschlagen bereitstehen, andererseits sollen Neuigkeiten zeitnah übermittelt werden. Um dies zu erreichen, setzt der Patient-Partner-Verbund das Medium Internet ein. Hier kann je nach Zielgruppe spezifische Information bereitgestellt werden. Fachinformationen für spezielle Diagnosen veröffentlichen die so genannten Kompetenzgruppen des Verbundes. Online zugänglich sind Leitlinien und Wissensdatenbanken, die einen gemeinsamen Standard ermöglichen. Andere medizinische Bereiche können von allen Verbundmitgliedern mit aktuellen Informationen versorgt werden. Hierfür ist ein Content-Server im Betrieb, der gleichzeitig dazu dient, die verschiedenen Lese- und Schreibberechtigungen zu verwalten. Darüber hinaus werden Inhalte zur Standespolitik, zu rechtlichen Fragen und andere Themen von den Verbundmitgliedern gepflegt. Wer etwas liest, dessen Inhalt er für allgemein interessant hält, kann jederzeit einen Artikel auf der Plattform veröffentlichen. Eine Suchfunktion erleichtert die Recherche.
Anwenderdokumente, wie Formulare, Bestellscheine, Verträge, Satzungen und Checklisten, stehen als Download zentral zur Verfügung, sodass kein Mitglied wichtige Papiere verlegen kann.
Eilige Informationen werden über E-Mail-Verteilerlisten versandt, damit kein Mitglied wichtige Neuigkeiten versäumt. Die Beantwortung von Fragen wie „wer ist wer?“ und „wer tut was?“ ist über eine Managementsoftware gelöst. Diese gibt detailliert Auskunft über das diagnostische und therapeutische Leistungsangebot der Mitglieder. Anhand einer Selbstauskunft der Leistungserbringer können die Nutzer Spezialisten auch über die Eingabe von Diagnosen finden oder gezielt nach Fremdsprachenkenntnissen forschen. Dies gilt auch für die dem Verbund angeschlossenen Partner und Kliniken. Über das MISS-(Management-Information&
Support-System-)Programm lassen sich zusätzlich zu diesen Informationen auch die Teilnahmebedingungen und Durchführungsvoraussetzungen von Projekten abrufen. Die Software ist auf den Rechnern sämtlicher Verbundmitglieder installiert.
Kommunikation
Das persönliche Gespräch Auge in Auge oder am Telefon ist immer noch das beste und sicherste Kommunikationsmedium. Für das Management eines Verbundes wäre dies jedoch zu aufwendig. Zweimal im Jahr findet ein Mitgliederkongress statt, bei dem viele Inhalte geklärt und besprochen werden. Allerdings kann an solchen Versammlungen nie jedes Mitglied teilnehmen. Damit alle Verbundmitglieder sich auf den gleichen Informationsstand bringen können, werden zusätzlich Medien wie Fax, E-Mail und das Internet eingesetzt, die eine zeitnahe und gleichzeitig nachschlagbare Kommunikation ermöglichen. Weiterhin sind Videokonferenzen für Besprechungen kleinerer Gruppen geplant.
Die Medien werden je nach Thematik verwendet: Das Gespräch über einen Patienten findet in der Regel von Arzt zu Arzt oder von Arzt zu Pflegedienst per Telefon statt. Materialanforderungen werden häufig über Fax, E-Mail oder online über Katalogsysteme übermittelt. Arbeitsanweisungen und Aufträge für Partner werden per Fax oder E-Mail versandt. Das Internet-Portal unter www.patient-partner.de bietet für eine dauerhafte Kommunikation eine Jobbörse, einen Suche-Biete-Bereich und Diskussionsforen. Über Projektplanungsdateien können Arbeits- und Kompetenzgruppen Leitlinien und Projekte entwickeln, ohne dass sie sich treffen müssen. Protokolle stehen den Teilnehmern sofort online zur Verfügung. Ein Veranstaltungskalender, in dem jeder Eintragungen vornehmen oder sich für bestimmte Veranstaltungen anmelden kann, unterstützt die Kommunikation.
Moderne Kommunikationsmechanismen schaffen Service und Vereinfachung. So ermöglicht ein Recallsystem, in das der Patient eingebunden ist, eine automatisierte Kommunikation zwischen den Ärzten und Patienten. Letzteren wird auch ermöglicht, private Termine auf einen Recall zu setzen.
Datenerfassung und -speicherung
Datenerfassung und -speicherung im Netz ist ein schwieriges Thema, denn in den Arztpraxen sind seit Einführung der Praxis-EDV viele verschiedene Praxisverwaltungsprogramme im Einsatz, die sich nur schwer verknüpfen lassen. Daher beabsichtigt der Verbund, nach und nach eine gemeinsame Software einzuführen. Zurzeit arbeitet der Verbund mit dem Programm „Qmed Praxis“ und will demnächst eine zweite Softwarefirma mit einbeziehen. Einige praktische Tools werden bereits genutzt. So meldet die Software mögliche, angesprochene und aufgenommene Netzpatienten. Diese Daten können die teilnehmenden Leistungserbringer auch speziell auswerten. Die Netz-Abrechnungsziffern werden zentral gepflegt. Kennzahlen, die die Kompetenzgruppen entwickeln, werden künftig automatisiert bestimmten ICD-10-Diagnosen zugeordnet und ausgewertet. Der Arzt oder die Arzthelferin wird nach der achten Quartalswoche automatisch an fehlende Kennzahlen erinnert. Verbundkennzahlen werden zentral gepflegt und beim Update eingespielt. So kann sich jedes Mitglied mit dem Verbundergebnis vergleichen. Diese lokalen Lösungen, die zurzeit noch in jeder Praxis gepflegt werden müssen, werden eines Tages der Vergangenheit angehören. Ziel des Verbundes ist es, zentrale Speicherungen und Zugriffe zu ermöglichen. Dann wird aus einem Praxisprogramm ein Netzprogramm, das auch die Verbundkliniken mit einbezieht.
Eine andere Möglichkeit, Daten zu erhalten, ist ein Umfragebereich im Internet, über den Meinungsbilder abgefragt werden können, um so im Sinne der Mitglieder bei Projekten oder bei Kritik und Wünschen handeln zu können.
Datentransfer
Derzeit beschränkt sich der Datentransfer im Netz auf Patientenbegleitbriefe und telemetrische Kontakte, wie EKG, Online-Anfragen und Ähnliches. Die bisher entwickelten Kommunikationsstandards werden von den Netzteilnehmern noch als unzureichend – weil zeitaufwendig und damit noch nicht wirtschaftlich nutzbar – beurteilt, sodass der Verbund noch nicht in D2D und VCS investiert hat. Im Verbund herrscht die Auffassung, dass eine gemeinsame Praxissoftware auch hier eine gute Voraussetzung sein wird, um den Datentransfer kompatibel zu gestalten.
Mit dem elektronischen Arztausweis und der geplanten elektronischen Gesundheitskarte will der Verbund den Versuch starten, die zentrale Patientenakte zu realisieren. Erste Schritte dazu laufen bereits: Über VPN-Tunnel sollen in Kürze verschlüsselte und signierte Nachrichten versandt werden.
Controlling und Evaluation
Kennzahlen, Verordnungsdaten und ICD-10-Diagnosen sind erst sinnvoll, wenn sie auch evaluiert werden. Die Praxissoftware liefert die Kennzahlendaten der Verbundpatienten automatisiert am Quartalsende an die Managementgesellschaft. Diese wertet sie aus und veröffentlicht die Daten im Intranet. Jeder Verbundarzt erhält die Verbundkennzahlen für seinen individuellen Vergleich. Die Kennzahlen werden nach Qualitätsnormen ausgewertet und den Kompetenzgruppen zur Steuerung übermittelt. So kann der Verbund nach Qualitätskriterien Fortbildungen und Leitlinienweiterentwicklung betreiben.
Auch an die Veröffentlichung von Ergebnissen wird gedacht. So können Patienten mehr Informationen bekommen, als dies bisher üblich ist. Jede Praxis im Verbund kann für den „Patientenclub“ spezielle evaluierte Daten nach eigener Wahl im Intranet veröffentlichen. Wenn der Verbund Qualität erzielt und nachweist, sollte er dies auch kommunizieren.
Der Patient-Partner-Verbund ist für die Zukunft gerüstet. Er verwendet eine EDV, die das Handeln im Netz unterstützt und Mitglieder, Patienten und Partner zusammenführt. Die Weiterentwicklung erfolgt entsprechend der Anwendungsbereitschaft der Mitglieder und Patienten. Übersichtlichkeit und nachvollziehbare Organisation führen gerade in der EDV zum Erfolg. So wird der Verbund auch künftig Veranstaltungen, Printmedien, Telekommunikation und EDV nebeneinander verwenden, da auf keines dieser Medien verzichtet werden kann. Elmar Schmid
Kontaktadresse: Dr. med. Elmar Schmid, Arzt für Allgemeinmedizin, GMZ GmbH, Management des Patient-Partner-Verbundes, Hauptstraße 28–30, 86926 Greifenberg, E-Mail: dr.elmar.schmid@gmz-gmbh.de
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