ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSPraxis Computer 4/2003Medizinisches Informationsleitsystem: Qualität wird bei der Recherche sichtbar

Supplement: Praxis Computer

Medizinisches Informationsleitsystem: Qualität wird bei der Recherche sichtbar

Dtsch Arztebl 2003; 100(40): [18]

Hägele, Michael

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LNSLNS Die Internet-Plattform www.medinfo.de zeigt Qualitätsauszeichnungen medizinischer Web-Seiten für den Anwender an.
Bei der Fülle von Gesundheitsinformationen im Internet können Informationssuchende kaum mehr beurteilen, welche der Informationen seriös und qualitativ gut sind und welche Interessen der Anbieter jeweils damit verfolgt. Neben hochwertigen sind auch viele „dubiose“ Gesundheitsinformationen zu finden; oft wird Produktwerbung als Information angeboten.
Dass das Auffinden der Informationen tatsächlich das vorrangige Problem bei Gesundheitsinformationen ist, zeigen Untersuchungen zum Suchverhalten von Patienten: Nach einer Untersuchung von Harris Interactive im Jahr 2001 benutzen 65 Prozent der Patienten allgemeine Suchmaschinen, 24 Prozent Gesundheitsportale und elf Prozent krankheitsspezifische Web-Seiten.
Nach einer Umfrage der Health on Net Foundation (bekannt durch ihr HON-Siegel) waren 2001 50 Prozent der Patienten in Europa mit Searchtools unzufrieden, und 63 Prozent hatten Probleme mit den relevanten Treffern. Eysenbach et al. (British Medical Journal, 2002) kommen in ihren Studien zu ähnlichen Ergebnissen: Keiner der befragten Patienten nutzte ein medizinisches Portal, zwei von 21 versuchten Adressen nach dem Prinzip „www.krankheit.de“ zu erraten, und nur 35 Prozent der Suchanfragen enthielten mehr als einen Suchbegriff.
Die Statistiken von medinfo.de bestätigen diese Zahlen: Dort bestehen nur 19,6 Prozent der Suchbegriffe aus mehr als einem Wort. Untersuchungen des Datenmaterials zeigen folgende Hauptprobleme der Nutzer:
- Schwierigkeiten, Gehörtes in Geschriebenes für eine Suchanfrage umzusetzen (immer noch erhält der Patient nur wenige schriftliche Informationen, die meisten fließen im mündlichen Gespräch);
- Rechtschreibfehler;
- die Wahl von ungewöhnlichen Krankheitsbegriffen;
- unspezifische Suchanfragen.
Übergreifendes Lotsensystem
Bewertungen von Gesundheitsportalen zeigen, dass ein übergreifendes Lotsensystem sinnvoll ist. In nahezu jedem Test gibt es andere Testsieger, ständig kommen neue Anbieter dazu, andere verschwinden. Untersuchungen der Stiftung Warentest im April 2003 ergaben, dass jedes Portal Stärken und Schwächen in unterschiedlichen Themengebieten aufweist (Abbildung 1). Deshalb empfehlen sowohl Verbraucherschützer als auch die Stiftung Warentest grundsätzlich die Nutzung unterschiedlicher, unabhängiger Quellen, um das Risiko von Falschinformationen zu minimieren.
Diese komplexe Suche und Bewertung ausschließlich den Patienten zu überlassen, ohne diese dabei zu unterstützen, überfordert die Rat- und Informationssuchenden in der Regel. Deshalb wurde die Internet-Plattform medinfo.de (www.medinfo.de) entwickelt. Sämtliche Einträge (zurzeit knapp 4 100) sind handverlesen und themenbezogen gegliedert und stellen eine der umfangreichsten Sammlungen im deutschsprachigen Internet dar.
Medinfo.de ist gleichzeitig Katalog und Suchmaschine. Im Katalog-Modus kann sich der Benutzer eine Übersicht verschaffen, was es zu welchen Themengebieten an guten Angeboten rund um das Thema Gesundheit und Medizin im Web gibt. Dabei kann er sich hierarchisch „tiefer hangeln“, ohne bereits vorab die richtigen Begriffe kennen zu müssen (Abbildung 2).
Im Suchmaschinen-Modus kann der Benutzer schnell relevante Webseiten finden (wobei Suchbegriffe gegebenenfalls auch rechtschreibfehlertolerant oder begriffstolerant interpretiert werden) und sich darüber hinaus durch die Katalogfunktionen weitere Web-Seiten zum relevanten Themenbereich anzeigen lassen. So führt zum Beispiel der Suchbegriff „Haemoroiden“ trotz fehlerhafter Schreibweise zu Treffern, wohingegen zum Beispiel die führende Suchmaschine Google zum ursprünglich vom Benutzer gemeinten Themengebiet „Hämorrhoiden“ keine brauchbaren Treffer findet.
Qualitätsprüfung
Zusätzlich wird jede Website bei medinfo.de einzeln – und das ist nach Kenntnis des Autors weltweit derzeit einmalig – auf die Existenz wichtiger Qualitätsauszeichnungen automatisiert geprüft. Für jede positive Prüfung wird dem Informationsangebot ein Logo zugeordnet und mit detaillierteren Angaben des Originalanbieters hinterlegt. Somit sieht man auf einen Blick die Auszeichnungsmerkmale der Angebote und kann diese durch Anklicken auch direkt abfragen. Ein aufwendiges Suchen im jeweiligen Angebot des Anbieters nach den Informationen entfällt beziehungsweise wird im Falle der DISCERN-Bewertung erst durch medinfo.de nutzergerecht ermöglicht, da diese Bewertung auf der jeweiligen Website des Betreibers nicht einzusehen ist, sondern nur durch Suchen im Angebot des Ärztlichen Zentrums für Qualität in der Medizin (ÄZQ), Köln.
Kriterien für die Auswahl der Qualitätsauszeichnungen waren Bekanntheit, Seriosität und Verbreitung. Derzeit bildet medinfo.de im Bereich Medizin folgende „Gütesiegel“ ab: afgis, HON, DISCERN und URAC.
afgis (www.afgis.de): Das Aktionsforum Gesundheitsinformationssystem wurde auf Initiative des Bundesministeriums für Gesundheit 1999 gegründet. Zurzeit haben sich rund 170 Kooperationspartner im afgis bereit erklärt, Zusatzinformationen über sich und ihr Angebot an Gesundheitsinformationen zur Verfügung zu stellen und sich qualitätsorientierten Bedingungen zu unterwerfen. Damit wird beabsichtigt, Transparenz für Informationssuchende herzustellen und die Qualität der Information des Anbieters durch Diskussions- und Qualifizierungsprozesse zu verbessern. Die Transparenzdaten der kooperierenden Anbieter sind über einen „Klick“ auf das „afgis-logo“ in medinfo.de aufzurufen.
Der HON Code of Conduct (www.hon.ch): Der von der Health On the Net Foundation initiierte HON-Code ist weltweit verbreitet. Der Informationsanbieter verpflichtet sich hierbei, acht Grundprinzipien zur Erstellung eines Web-Angebots einzuhalten, das ethischen Mindeststandards entspricht.
DISCERN (www.discern.de): Dieser Ansatz zur Qualitätsüberprüfung wurde von einer Gruppe von Wissenschaftlern aus Oxford entwickelt und von der Abteilung Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung der Medizinischen Hochschule Hannover gemeinsam mit dem ÄZQ ins Deutsche übersetzt. Die DISCERN-Bewertung einer schriftlichen Patienteninformation ist das Ergebnis einer Prüfung nach einem umfangreichen Kriterienkatalog. Diese Leistung wird von dem ÄZQ erbracht und die Ergebnisse auf www.patienten-information.de veröffentlicht.
URAC (www.urac.org): Die Urac-Health-Website-Akkreditierung ist bis jetzt nur für US-amerikanische Websites verfügbar. URAC ist eine gemeinnützige Organisation, die 1990 gegründet wurde und Web-Seiten akkreditiert, um eine optimale Qualität, Glaubwürdigkeit und einen verantwortlichen Umgang mit den Informationen und der Technologie zu erreichen und zu sichern. Derzeit (Juni 2003) sind 44 Organisationen akkreditiert.
Zusätzlich verknüpft medinfo.de zu sämtlichen Angeboten die öffentlich verfügbaren Domänen-Informationen, sodass der Nutzer schnell Informationen und Adresse beziehungsweise Telefonnummer des Website-Besitzers einsehen kann. Damit schafft das Suchwerkzeug auch für den technisch nicht versierten Web-Surfer Transparenz.
Medinfo.de baut auf dem Weg zum individuellen medizinischen Infoleitsystem sein Angebot ständig aus und unterstützt den Anwender dabei, sich qualitätsorientiert, schnell und zielgerichtet im medizinischen Internet zurechtzufinden. Michael Hägele
Informationen: Michael Hägele, Iconmed Informierungsteam (www.iconmed.de), Finkenstraße 5, 50858 Köln,
Telefon: 02 21/2 82 49 24,
E-Mail: mhaegele@iconmed.de
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