ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2003Patientenverfügung: Auf liebevolle Sterbebegleitung beschränken

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Patientenverfügung: Auf liebevolle Sterbebegleitung beschränken

Dtsch Arztebl 2003; 100(40): A-2574

Dinkel, Lothar

Zu dem Beitrag „Verbindlichkeit von Patientenverfügungen gestärkt“ von Priv.-Doz. Dr. med. Gian Domenico Borasio et al. in Heft 31–32/2003:
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LNSLNS Die Verbindlichkeit von Patientenverfügungen selbstherrlich zu missachten war bisher letztlich die Folge der im Grundgesetz ebenso selbstherrlich wie nichts sagend erhobenen Forderung: „Jeder hat ein Recht auf Leben“, die hernach hinsichtlich des Sterbebettes rechtlich ebenso unbedacht in eine „Pflicht zum Leben“ umgemünzt wurde. Den Eltern unseres Grundgesetzes war offenbar in ihrem abendländischen Wohlstand nicht bewusst, dass in der übrigen Welt das Leben wahrlich nicht immer ein Geschenk ist. Jeder hat auch ein Recht auf Sterben! Doch sollten wir dies wiederum nicht, wie es leider noch immer geschieht, mit dem griechischen Wort „Euthanasie“ als einem Anspruch auf angenehme Tötung deuten, sondern uns auf die liebevolle Sterbebegleitung beschränken, die ich deshalb als Eucharonie bezeichnen möchte. Charon war bei den Griechen der Fährmann, der uns keinesfalls tötete, aber unsere Seelen liebevoll über den Strom des Vergessens (Lethe) ans jenseitige Ufer begleitete.
Sterben an sich ist kein juristischer Vorgang, der von der Weltanschauung des Arztes abhängt, und Liebe ist kein Rechtsanspruch.
Dr. med. Lothar Dinkel,
Clußstraße 6, 74074 Heilbronn
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