ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2003Krankenhäuser: Diskussion an realer Machbarkeit messen

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Krankenhäuser: Diskussion an realer Machbarkeit messen

Dtsch Arztebl 2003; 100(40): A-2574 / B-2144 / C-2018

Schönermark, Matthias P.

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LNSLNS Der Bericht von Herrn Dr. Clade über das erste SRH-Forum „Krankenhaus aktuell“ und die darin gemachten Äußerungen von Herrn Prof. Dr. Oberender erfordern eine Kommentierung an zwei Punkten. Erstens wird berichtet, dass das DRG-Finanzierungssystem in Österreich „erfolgreich“ eingeführt worden sei. Der Autor verzichtet hierbei auf seine Definition des Erfolgs (reibungslos, wertschöpfend, kostendeckend, revolutionär oder etwa restrukturierungs-auslösend?). Festgehalten werden muss, dass sich das österreichische Gesundheitswesen aus finanzieller Sicht in einer katastrophalen Situation befindet. Als wesentliche Treiber für die kaum noch beherrschbare Kostenexplosion wird das weiterhin bestehende massive Überangebot an Spitalbetten im stationären Bereich angesehen. (Vergleiche auch FAZ vom 5. August 2003, Seite 12: „Österreichs Gesundheitswesen in Geldnot“.) Insofern muss offen bleiben, inwiefern die DRG-Einführung in Österreich tatsächlich als Erfolg gewertet werden kann.
Zweitens ist der Oberenderschen Hypothese, dass die Krankenhäuser insbesondere dann eine Chance haben werden, wenn sie beginnen, die gesamte Wertschöpfungskette der Patientenversorgung zu orchestrieren, in vollem Umfang zuzustimmen. Zu kurz springt der Bayreuther Kollege allerdings, wenn er glaubt, „industriewirtschaftliche“ Steuerungssysteme eins zu eins auf die Situation in Krankenhäusern anwenden zu können. Die Portfolio-Bereinigung und aktive Portfolio-Steuerung kann unter den gegebenen Umständen nur für den elektiven Anteil der klinischen Maßnahmen gelten. Völlig ungelöst und bislang auch nicht diskutiert ist das Problem der notfallmedizinischen Versorgung und, Oberender konsequent zu Ende gedacht, ein Triage-System, das den Krankenhäusern aktiv erlaubt, Patienten abzuweisen.
Diese letzte Konsequenz einer aktiven Portfolio-Steuerung wird in der derzeitigen Diskussion geflissentlich und elegant vernachlässigt, wahrscheinlich auch um die ethische Dimension letztlich den ohnehin schon mit schlechtem Gewissen handelnden Ärzten aufzubürden. Es wäre zu wünschen, dass sich die Diskussion über zukünftige strategische Positionierungen von Krankenhäusern auch an der realen Machbarkeit und am derzeitigen Versorgungsauftrag messen lässt.
Prof. Dr. med. Matthias P. Schönermark, Medizin-Management der Medizinischen Hochschule Hannover, Carl-Neuberg-Straße 1, 30625 Hannover
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