ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2003Kunst der Emotionalen Intelligenz: Wer lacht, knirscht nicht

VARIA: Feuilleton

Kunst der Emotionalen Intelligenz: Wer lacht, knirscht nicht

Dtsch Arztebl 2003; 100(40): A-2598 / B-2166 / C-2039

Linke, Detlef B.

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Abbildung 1: Hermán Höxter, Comtessas Traum, Collage, 17 × 23 cm, 2003 Entnommen aus: Detlef B. Linke, Kunst und Gehirn. Die Eroberung des Unsichtbaren. Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg, 2001
Abbildung 1: Hermán Höxter, Comtessas Traum, Collage, 17 × 23 cm, 2003 Entnommen aus: Detlef B. Linke, Kunst und Gehirn. Die Eroberung des Unsichtbaren. Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg, 2001
Zwei Dresdner Künstler haben – nicht ganz ohne Augenzwinkern – die Kunstrichtung des „Bruxismus“ kreiert.

Abbildung 2: Hermán Höxter, Ohne Titel, Mischtechnik auf Holz, 42 × 30 cm, 2000
Abbildung 2: Hermán Höxter, Ohne Titel, Mischtechnik auf Holz, 42 × 30 cm, 2000
Unter emotionaler Intelligenz versteht man die Fähigkeit, auf Stimmungen in Beziehungen und Interaktionen zwischen Menschen angemessen eingehen zu können. Die neurobiologische Forschung hat gezeigt, dass die vernunftorientierten Leistungen der Hirnrinde in erheblichem Maße von den Voraktivierungen des limbischen Systems abhängen. Das hat zu einer Erweiterung des Intelligenzbegriffs geführt, der auch bei der emotionalen Führung von Personal zur Orientierung werden kann. Lächeln und Lachen werden dabei als wichtige Form sozialer Kommunikation herausgestellt. Ein mögliches Defizit gegenüber Ländern des Lächelns oder auch Lachens soll so kompensiert werden.
An dieser Stelle setzen eine Dresdner Künstlerin und ein Dresdner Künstler an. Unter den Namen Hermán Höxter und Dan Grossstadt haben sie – nicht ganz ohne Augenzwinkern – die Kunstrichtung des „Bruxismus“ kreiert. Die beiden,
Abbildung 3: Dan Grossstadt, Bruxismus I, Öl auf Holz, 10 × 15 cm, 2003
Abbildung 3: Dan Grossstadt, Bruxismus I, Öl auf Holz, 10 × 15 cm, 2003
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die mit neun anderen Künstlern die Dresdner „Blitzgalerie“ führen, haben bei dem Projekt „Höxter versus Grossstadt“ im „Bruxismus“ umfangreiche Arbeiten zur Pathologie des Zähneknirschens präsentiert (Abbildungen 1, 3 und 4).
„Wenn man ständig mit den Zähnen knirscht, bleibt keine Zeit mehr zum Reden“, sagt Grossstadt. Höxter experimentiert mit den Möglichkeiten der Zähne und collagiert auch schon mal drei Zahnreihen übereinander. Die Bilder machen dadurch bisweilen den Eindruck, als hätte der surrealistische Maler Delvaux Odontologie studiert. Schaut man seinen Patienten in den Mund, so kann man statt auf den Gaumen unmittelbar auf die Hirnrinde blicken: Das Lächeln des geöffneten Mundes zeigt Intelligenz (Abbildung 1).
Wer lacht, knirscht nicht! Bereits in früheren Grafiken hat Höxter die Heilkraft thematisiert, die dem Menschen zu eigen ist. In einer Arbeit veranschaulichte er dies an einem Menschen, dessen Sorge um die Heilung anderer seinen ganzen Schädel mit Heftplastern anfüllen ließ (Abbildung 2).
Abbildung 4: Dan Grossstadt, Bruxismus II, Öl auf Holz, 10 × 15 cm, 2003 Fotos (3): privat
Abbildung 4: Dan Grossstadt, Bruxismus II, Öl auf Holz, 10 × 15 cm, 2003 Fotos (3): privat
Die beiden wissen, dass Stimmungen nicht nur für den Patienten, sondern auch in der Wirtschaft und an der Börse von großer Bedeutung sind. Bei allem Engagement für eine Stimmungsaufhellung durch die Kunst meinen sie aber nicht, dass man die Beste aller Welten herbeireden müsste: „Da halten wir es mit der Medizin, die über die gewünschte gute Prognose die Diagnostik nicht vergisst.“
Prof. Dr. med. Detlef B. Linke


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Informationen: www.blitzgalerie.de
www.hoexter-vs-grossstadt.de
E-Mail: dan_grossstadt@yahoo.de

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