ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2003Checkliste Weiterbildung: Hilfestellung auf dem Weg zur Fachärztin

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Checkliste Weiterbildung: Hilfestellung auf dem Weg zur Fachärztin

Dtsch Arztebl 2003; 100(40): A-2608 / B-2180 / C-2048

Flintrop, Jens

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Foto: Peter Wirtz
Foto: Peter Wirtz
Rund 60 Prozent der Medizinstudenten sind mittlerweile Frauen. Für viele dieser angehenden Ärztinnen ist es eine echte Herausforderung, nach dem erfolgreichen Abschluss des Studiums eine Weiterbildungsstelle zu finden, die fachlich und strukturell auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist. Als Hilfestellung bei der Suche nach der „optimalen“ Stelle hat der Deutsche Ärztinnenbund (DÄB) nun erstmals eine „Checkliste Weiterbildung“ herausgegeben, die insbesondere Ärztinnen den Weg in den Beruf ebnen soll.
Zu fünf Themenbereichen listet der DÄB Kriterien auf, anhand derer die Ärztinnen für sich selbst entscheiden können, welche Prioritäten sie für ihre berufliche Karriere setzen wollen und welche Voraussetzungen dafür notwendig sind.
So muss sich der Ärztenachwuchs zum Beispiel unmittelbar nach der Wahl der Fachrichtung festlegen, ob er an einer Universitätsklinik, einer Klinik der Maximalversorgung, einer Klinik der Grund- und Regelversorgung oder in einer vertragsärztlichen Praxis ausgebildet werden will. Zu beachten sind auch wichtige gesetzliche Vorgaben. Dazu zählen die Weiter­bildungs­ordnung und die Liste der Weiterbildungsbevollmächtigten (von der zuständigen Lan­des­ärz­te­kam­mer), das Arbeitszeitgesetz (Lan­des­ärz­te­kam­mern) und die Mutterschutzrichtlinienverordnung (vom zuständigen Gewerbeaufsichtsamt).
Um sich ein Bild des potenziellen Arbeitsplatzes machen zu können, bieten sich besonders informelle Gespräche mit den Ärztinnen und Ärzten vor Ort an. Fragen zu folgenden Themen sind besonders wichtig: Umfang der Weiterbildungsermächtigung, Fortbildungen, Gehalt, Hilfe bei der Wohnungssuche, Möglichkeit zum Erlernen von Spezialgebieten und -methoden, Arbeitsklima, Arbeitszufriedenheit, Arbeitszeiten oder Rotationen. Auch eine Internetrecherche, eine Hospitanz oder „Schnupper-Tage“ am anvisierten Arbeitsplatz helfen, sich ein Bild von den Weiterbildungsbedingungen zu machen.
Kommt es zum Vorstellungsgespräch, sollten Ärztinnen mit Kindern oder Kinderwunsch keine Hemmungen haben, sich auch zu erkundigen, ob zum Beispiel eine Weiterbildung in Teilzeit möglich ist oder welche Möglichkeiten der Kinderbetreuung es im Umfeld gibt. Vor der endgültigen Stellenzusage sollte die angehende Fachärztin dann noch checken, ob der Weiterbildungsvertrag (auch in Bezug auf eine eventuelle Befristung) klare Vereinbarungen enthält. Wichtig ist gegebenenfalls auch, ob die Platzzusage in Krippe, Kindergarten, Hort oder Hausaufgabenbetreuung vorliegt.
Gerade für Frauen sei die Wahl der richtigen Weiterbildungsstätte oft ein besonders wichtiger Schritt auf ihrem Lebens- und Berufsweg, betont der DÄB. Denn spätestens an diesem Punkt öffne sich eine Schere zwischen Ärztinnen und Ärzten, die im Laufe der Karriere immer weiter auseinander klaffe: Stellten Frauen inzwischen weit mehr als die Hälfte der Studienanfänger in der Medizin und seien 40 Prozent aller Mediziner Ärztinnen, so betrage der Frauenanteil in leitenden Funktionen lediglich sieben Prozent und bei den Professoren in klinischen Universitätsabteilungen gar nur 2,8 Prozent. Jens Flintrop


„Medizin braucht Ärztinnen: Frauen bringen spezifische Lebenserfahrungen mit, thematisieren andere therapeutische Aspekte und besitzen besondere Qualifikationen im Bereich der Kommunikation und Empathie.“

Astrid Bühren, Präsidentin des Deutschen Ärztinnenbundes e.V.
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