ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2003zu Aktien: Stockpicking und Contrary Opinion

VARIA: Schlusspunkt

zu Aktien: Stockpicking und Contrary Opinion

Dtsch Arztebl 2003; 100(40): [60]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Zuweilen gibt es an der Börse Phasen, in denen Aktien bestimmter Branchen besser abschneiden als andere. Eine Weile später zieht dann eine andere Gruppe von Dividendentiteln davon, solcherart Favoritenwechsel ist als Branchenrotation bekannt. Dieses Phänomen folgt keineswegs wirren Pfaden, sondern ist vielmehr mit dem jeweiligen Konjunkturzyklus und der Zinslandschaft verknüpft.
Während in den letzten Wochen vor allem Finanztitel große Avancen hinter sich brachten, dürften bei einem tatsächlichen Erstarken der Wirtschaft eher die Aktien von Maschinenbauern die Nase vorn haben.
Es gibt freilich immer wieder Zeiträume, in denen sich derartige Muster nicht klar abzeichnen, sei es, weil die Signale auf die Märkte eher diffus wirken oder aber unerwartete Ereignisse Prognosen über den Haufen werfen. So hat etwa die jüngst verkündete Ölförderungsrestriktion die Experten ziemlich auf dem falschen Fuß erwischt.
In solchen Fällen kommt es darauf an, dem Depot mit den „richtigen“ Aktien die nötige Würze zu verleihen, das so genannte „Stockpicking“.
Wissend, dass Sie auch eine konkrete Empfehlung von mir erwarten, hebe ich die Lufthansa AG auf mein Favoritenschild. Meines Erachtens liegt die Börse bei dem Kranichunternehmen auf dem Holzweg, weil sie die Entscheidung der Swiss, sich nicht von den Frankfurtern übernehmen zu lassen, als kursbelastend einstufte. Gerade das Gegenteil sollte eintreten. Ein Zusammengehen mit der schwer verschuldeten Schweizer Airline hätte der Deutschen Lufthansa, die im Übrigen ziemlich gut dasteht, unter dem Strich mehr Probleme gebracht als genutzt. Mein persönliches Kursziel der Aktie liegt bei 18 Euro, auf Sicht von anderthalb Jahren allerdings.
Wer mit der Einzelselektion nicht auf die Nase fallen will, sollte sich allerdings auf Werte beschränken, deren Substanz und Ertragskraft außer Frage steht. Gut, werden Sie sagen, eigentlich eine Selbstverständlichkeit, aber gibt es denn sonst noch Filterkriterien?
Die gibt es in der Tat. Eines davon wäre etwa die „Contrary Opinion“. Damit ist gemeint, das Gegenteil von dem zu tun, was die Börse glaubt, dass es richtig sei. Also, dem Markttrend entgegen Bayer, Telekom und Deutsche Post sowie Allianz zu kaufen.
Vorsicht aber, Börsianer kennen durchaus genügend andere Börsenregeln, die der Contrary Opinion vehement widersprechen. „Never catch a falling knife“ ist so eine Weisheit oder „der Markt hat immer Recht“. Sie sehen, jede Situation hat so ihre nterpretationsmöglichkeiten. Am Ende sind immer alle schlauer, Verlierer wie Gewinner. Deswegen mag die wahrhaft güldene Anlegervorschrift die sein, nicht alles auf ein Pferd zu setzen. So sei es.
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