ArchivDeutsches Ärzteblatt46/1996Aufklärungskampagne Organspende: „Schenken Sie Leben“

POLITIK: Aktuell

Aufklärungskampagne Organspende: „Schenken Sie Leben“

Dtsch Arztebl 1996; 93(46): A-2996 / B-2554 / C-2366

Klinkhammer, Gisela

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LNSLNS In Deutschland gibt es trotz einer grundsätzlich positiven Einstellung der Bevölkerung zur Organspende zu wenig Spenderorgane. So werden jährlich nur etwa die Hälfte der für Herz-, Nieren- und Lebertransplantationen benötigten Organe gespendet. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) startet deshalb jetzt im Auftrag des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­iums eine Informations- und Aufklärungskampagne zur Organspende, die auch von der Ärzteschaft unterstützt wird.


Es gibt kaum einen Menschen, der sich nicht an so schönen Dingen wie farbenfrohen Muscheln, blühenden Blumenwiesen oder anderen ,Augenweiden' erfreuen kann. Außer denen natürlich, die nicht sehen können – ob schon seit der Geburt, nach einer Krankheit oder einem Unfall. . . . Zum Glück ist die Medizin heute so weit, daß vielen Menschen durch die Übertragung von Augenhornhaut das Augenlicht wiedergegeben werden kann. Vorausgesetzt, es gibt genügend Spender. Deshalb bitten wir Sie, sich mit dem Thema Organspende zu beschäftigen und ihre Entscheidung zu treffen." So lautet der Text einer Anzeige der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, die in diesen Tagen vor allem in Publikumsmedien geschaltet wird.
Grund für die Aufklärungs- und Informationskampagne, die auch im Zusammenhang mit dem anstehenden Transplantationsgesetz steht, ist der Mangel an Organen. Und das, obwohl die meisten Bundesbürger dem Thema Organspende durchaus positiv gegenüberstehen. Die jüngste Umfrage zeigte, daß zum Beispiel 70 Prozent der jungen Erwachsenen ihre Bereitschaft bekunden, nach ihrem Tod Organe zu spenden. Viele Bürger hegten allerdings die Befürchtung, daß mit Organen ein krimineller Handel getrieben würde oder daß sie zu früh für tot erklärt würden. Andere hätten das ungute Gefühl, daß es bei der Organvergabe nicht immer mit rechten Dingen zugehe. Nur fünf Prozent der Bundesbürger hätten deshalb eine Organspendeerklä-rung ausgefüllt. Über die Stiftung Eurotransplant, der außer Deutschland noch die Beneluxstaaten und Österreich angehören, seien in den letzten Jahren mehr Organe an deutsche Transplantationzentren vermittelt worden, als aus Deutschland zur Verfügung gestellt werden konnten. Ein neues Vergabeverfahren begegnet diesem Ungleichgewicht. Das Spendenaufkommen müsse also in Deutschland höher werden, wenn nicht noch längere Wartezeiten beispielsweise für Dialysepatienten entstehen sollten.
Ziel der Kampagne unter der Devise "Schenken Sie Leben" ist es, die Bürger zu ermutigen, selbst zu einer Entscheidung zu kommen und diese durch eine schriftliche Erklärung auch zu dokumentieren und sie ihren Angehörigen mitzuteilen. Denn nur wenn sich jeder selbst frühzeitig die Frage nach der Bereitschaft zu einer möglichen Organspende stelle, könne er auch persönlich Verantwortung übernehmen und seine Angehörigen in einer schweren Situation entlasten, betonte Dr. Elisabeth Pott, Direktorin der BZgA.
Die Bundes­ärzte­kammer fördert die Kampagne. "Als Ärzte sollten wir dieses Bemühen tatkräftig unterstützen und auch unsererseits dazu beitragen, Ängste zu nehmen und zur Organspende zu motivieren", so der Präsident der Bundes­ärzte­kammer, Dr. med. Karsten Vilmar.
Fünf Anzeigenmotive werden bis Januar 1997 in zahlreichen Publikumstiteln geschaltet werden, um zur Auseinandersetzung mit diesem Thema anzuregen. Heft 47 des Deutschen Ärzteblattes wird außerdem eine Broschüre beiliegen. Kli

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