ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2003Integrationsversorgung: Ran an den Topf

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Integrationsversorgung: Ran an den Topf

Dtsch Arztebl 2003; 100(41): A-2609 / B-2181 / C-2049

Clade, Harald

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LNSLNS Die integrierte Versorgung nach dem neu gefassten Paragraphen 140 a bis h SGB V soll nun endlich ab Beginn des kommenden Jahres ans Laufen kommen. Die Bundesregierung wurde nicht müde, die integrierte Versorgung als ein „Herzstück“ der neuerlichen Reform hoch zu loben. Der ursprünglich als Selbstläufer gedachte Kooperations- und Verzahnungsmechanismus, der bereits in der Gesundheitsstrukturreform 2000 gesetzlich verankert wurde, erwies sich als fußkrank. Jetzt werden bis zu 680 Millionen Euro pro Jahr als „Anschub“ separiert.
Ab 2004 soll gemäß § 140 Abs. 1 SGB V bis Ende 2006 mit einem Prozent Pauschalabzug aus den Budgets der ambulanten und stationären Versorgung der Integrationstopf gespeist werden. Und schon hat ein Run auf die künftigen Integrations-Fleischtöpfe begonnen. Politik, Politikberater und Krankenkassen sind munter dabei, die Leistungserbringer ebenso wie die Kassen zu animieren, schnellstens zu gemeinsamen Vertragsabschlüssen zu kommen.
Bei den jüngsten Biersdorfer Krankenhausmanager-Gesprächen haben die Strategen verkündet: Unter allen Umständen soll der Umsatzverlust beziehungsweise der (Rabatt-) Pauschalabzug in Höhe von einem Prozent wieder wettgemacht werden. Schließlich müsse man aus Kostengründen das wieder hereinholen oder möglichst überkompensieren, was zwangsweise abgezogen wird, so Jörg Robbers von der Deutschen Krankenhausgesellschaft. Die Krankenkassen sind ebenfalls am Start: Erstmals sollen die speziell eingerichteten Stabsstellen für die integrierte Versorgung ein eigenes Budget erhalten und verwalten, das sie automatisch davon entbindet, im Einzelfall die Abzugsanteile zu ermitteln. Kassenexperten gehen davon aus, dass die Höhe des Abschlages bei den anstehenden Budgetvereinbarungen mitgeteilt und in die Vereinbarung, im Krankenhaussektor, aufgenommen werden muss. Weil im Kliniksektor „gemeinsam und einheitlich“ verhandelt wird, resultiert folglich auch ein einheitlicher Abschlag bei allen Kassen und Kassenarten. Damit die Euphorie nicht allzu groß wird, bremste Verwaltungschef Wilfried Jacobs, AOK Rheinland: Erst müssen evidenzbasierte, qualitätsgesicherte Modelle vertraglich vereinbart werden, erst dann kann Geld fließen. Dr. rer. pol. Harald Clade
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