ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2003Metastasierung: Bioaktives Lipid als „Weichmacher“

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Metastasierung: Bioaktives Lipid als „Weichmacher“

Dtsch Arztebl 2003; 100(41): A-2634 / B-2199 / C-2066

EB

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LNSLNS Die Metastasierung ist ein komplexer Prozess. Die Tumorzellen lösen sich vom Primärtumor ab, wandern in das Gefäß- oder Lymphsystem ein und infiltrieren von dort aus die Organe. Für diesen Ortswechsel müssen die Tumorzellen Bindegewebe und Gefäßmembranen passieren. Dies setzt voraus, dass sie ihre Form und ihre elastischen Eigenschaften – ihre Zellarchitektur – rasch verändern. Wissenschaftler der Universität Ulm und der Universität Heidelberg berichten in der Septemberausgabe von Nature Cell Biology, dass ein bioaktives Lipid, Sphingosylphosphorylcholin, das Zytoskelett und die elastischen Eigenschaften von menschlichen Tumorzellen grundlegend verändern kann. Dieses Lipid kommt physiologischerweise beim Menschen im Blut vor, bei Patienten mit Tumorerkrankungen in erhöhter Konzentration.
Bringt man dieses Lipid mit menschlichen Tumorzellen zusammen, ändert sich deren Zytoskelett-Struktur. Die Keratinfilamente werden durch das Lipid völlig neu organisiert. Auch werden im Kontext dieser Neuorganisation die Zellen elastischer, „weicher“ und damit leichter verformbar. Dieser nur durch das Lipid auslösbare „Weichmachereffekt“ tritt innerhalb weniger Minuten ein.
Menschliche Tumorzellen aus Bauchspeicheldrüsen- und Magenkarzinomen, die mit dem Lipid behandelt wurden, wandern dadurch deutlich leichter durch Membranporen, die wesentlich kleiner sind als die Zellen selbst. Die Beobachtungen zeigen einen völlig neuen Mechanismus der Formänderung sowie der Änderung der elastischen Eigenschaften von Tumorzellen als Voraussetzung ihrer kolonisierenden Einwanderung in Gefäße und Gewebe. EB
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