ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2003Vom Nutzen des Salutogenese-Konzepts

BÜCHER

Vom Nutzen des Salutogenese-Konzepts

Dtsch Arztebl 2003; 100(41): A-2647

Schaefer, Hans

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Sozialmedizin: Förderung der Gesundheit
Hans Schaefer: Vom Nutzen des Salutogenese-Konzepts. Herausgegeben von Johannes G. Gostomzyk und Heide Berndt. Daedalus Verlag, Münster, 2002, 189 Seiten, broschiert, 19,90 €
Statt Krankheiten teuer zu behandeln, sollte Gesundheit gefördert werden – dieses von dem amerikanisch-israelischen Medizinsoziologen Aaron Antonovsky in den 70er-Jahren entwickelte Salutogenese-Konzept steht im Mittelpunkt des Bandes. Der bereits im Jahr 2000 verstorbene Autor Hans Schaefer, Nestor der nachkriegsdeutschen Sozialmedizin und Begründer der Deutschen Gesellschaft für Sozial-
medizin und Prävention
(DGSMP), geht in seinem Buch der Frage nach, ob sich Antonovskys Ansatz eines gesundheitsförderlichen Kohärenzsinns tatsächlich nutzbringend für zentrale Fragestellungen unseres Gesundheitswesens anwenden lässt.
Um den praktischen Nutzen des Salutogenese-Konzepts zu ergründen, wendet Schaefer es auf verschiedenen sozialmedizinischen Gebieten an. Das Konzept der Salutogenese konnte seines Erachtens erst dann entstehen, wo im Wandel des Krankheitspanoramas von infektiösen zu chronischen Krankheiten Krankheitskausalitäten multifaktoriell wurden und infolge der verlängerten Zeitspanne zwischen Ein- und Auswirkung der Krankheitsprozesse auf den Körper durch soziale und individuelle Faktoren moduliert werden konnten.
Im Bereich der Sozialversicherung wirft Schaefer die Frage auf, ob die praktische Anwendung des Salutogenese-Konzepts dazu beitragen kann, den Krankenstand zu reduzieren, die Lebensqualität zu steigern sowie die Lebenserwartung zu verlängern. In der längeren Lebenserwartung höherer sozialer Schichten sieht der Autor die – wie er annimmt – dort anzutreffende höhere Intelligenz wirksam werden. Diese sei möglicherweise mit ausgeprägtem Kohärenzsinn vergesellschaftet.
Schaefer stellt in seinem Buch eher Fragen, als dass er selber ein abgeschlossenes Konzept für eine praktische Nutzung der Salutogenese vorlegt. Seine Ausführungen werden dort besonders spannend, wo er die Bedeutung herausarbeitet, die die Veränderung des Krankheitspanoramas für die Entstehung einer Psychosomatik, einer Sozialmedizin und für die Patientenrolle in der Medizin hat. Darüber hinaus ermöglicht es einen guten Überblick über die sozialmedizinischen Fragestellungen, denen sich Schaefer zeitlebens gewidmet hat.
Wilfried Kunstmann
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema